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Startseite > Wirtschaft > Ausbildung/Arbeit für Flüchtlinge

Flüchtlingen eine Chance geben

Viele Unternehmen zeigen große Bereitschaft, Flüchtlinge zu beschäftigen, auszubilden oder im Rahmen eines Praktikums oder einer Arbeitsförderungsmaßnahme kennen-zulernen. Wir wollen die hierbei geltenden Informationen bündeln und einen kurzen Überblick geben, welche Möglichkeiten es gibt und was hinsichtlich der Beschäftigung von Flüchtlingen rechtlich zu beachten ist.

Uns ist die Integration der Asylbewerber in den Arbeitsmarkt wichtig und wir helfen gerne bei der Vermittlung. Wir koordinieren gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Angebot und Nachfrage und bieten die Begleitung und Unterstützung der Betriebe in der Anfangszeit an.

Einzelne Beispiele zeigen bereits, dass bei der Beschäftigung von Asylbewerbern Win-Win-Situationen entstehen können:
Lesen Sie den Bericht dazu im IHK Magazin Wirtschaft, S. 7 (PDF, 8 MB)
unter anderem über die Firma Ziegenbein KG aus Schorndorf

Rechtliche Rahmenbedingungen

Unsere Tipps

  • Als ein einfacher Einstieg in die Arbeitswelt bietet sich die Maßnahme zur Feststellung der beruflichen Eignung nach § 45 SGB III an:
    Eine solche Maßnahme dient dazu, vorhandene berufliche Kenntnisse des Teilnehmenden festzustellen. Es entsteht kein Beschäftigungsverhältnis und somit gilt auch der Mindestlohn nicht. Die Maßnahme kommt allerdings erst nach der 3-monatigen Wartefrist in Frage. Sie bedarf keiner Genehmigung der Ausländerbehörde, muss aber im Vorfeld bei der Agentur für Arbeit (unkompliziert) beantragt werden. Die maximale Dauer von 6 Wochen darf nicht überschritten werden. In dieser Zeit kann jedoch die weitere Beschäftigung besprochen und die notwendige Arbeitserlaubnis bei der Ausländerbehörde und Arbeitsagentur beantragt werden.
    Weitere Infos zu der Maßnahme siehe oben (>> Rechtl. Rahmenbedingungen/ Maßnahmen der Arbeitsförderung).
  • Bei einem berufsorientierten Praktikum (bis zu 3 Monaten) ist lediglich die Erlaubnis der Ausländerbehörde einzuholen. Bei einer längeren Praktikumszeit ist weiterhin (zusätzlich) die Zustimmung der Arbeitsagentur erforderlich, die jedoch bei uns im Rems-Murr-Kreis einen Vorab-Check anbietet. Das Praktikum (ab 3 Monate) unterliegt dann auch dem Mindestlohn.
    Weitere Infos zu dem berufsorientierten Praktikum siehe oben (>> Können Flüchtlinge ein Praktikum machen?)
  • Wenn eine Berufsausbildung angestrebt wird, ist die durch die Arbeitsagentur finanziell geförderte Einstiegsqualifizierung besonders vorteilhaft. Sie bietet die Gelegenheit, Grundlagen für eine berufliche Handlungsfähigkeit sowie Fähigkeiten und Fertigkeiten über einen Zeitraum von 6 – 12 Monaten zu erlangen. Ab Herbst 2016 ist neu, dass die EQ-Maßnahme nun mit einer Sprachförderung kominiert werden kann.
    Weitere Infos zu der Maßnahme siehe oben (>> Rechtl. Rahmenbedingungen/ Maßnahmen der Arbeitsförderung).
  • Zudem gibt es die Möglichkeit, ein Teilzeit-Praktikum anzubieten, das in der Vorrangprüfung unkomplizierter abgewickelt werden kann.

Arbeitserlaubnisverfahren

  • Bei der zuständigen (örtlichen) Ausländerbehörde (Stadtverwaltung Schorndorf, Ausländerwesen) wird die Arbeitserlaubnis beantragt. In der Regel holt die Ausländerbehörde die Zustimmung der Arbeitsagentur ein, sofern diese notwendig ist.
     
    Zur Prüfung wird eine Stellenbeschreibung sowie i.d.R. Arbeits-/Ausbildungs-/ Praktikumsvertrag benötigt. Für die Stellenbeschreibung gibt es ein Formular der Arbeitsagentur.
  • Im Rems-Murr-Kreis ist ein Vorab-Check durch die Arbeitsagentur möglich.
    Hierzu können Sie die Stellenbeschreibung sowie Infos zum/zur Bewerber/in an den Arbeitgeber-Service (waiblingen.arbeitgeber@arbeitsagentur.de) senden. Sie erhalten dann Hinweise zur Beantragung der Arbeitserlaubnis und ob eine Vorrangprüfung notwendig ist.

Weitere Informationen

Neues Integrationsgesetz

Das Anfang August 2016 in Kraft getretene Integrationsgesetz schafft zusätzliche Erleichterungen für Unternehmen, die Flüchtlinge einstellen wollen.
Folgende Regelungen sind u. a. im Integrationsgesetz enthalten:
  • Auszubildende bekommen eine Duldung für die Gesamtdauer der Ausbildung und wenn diese im Betrieb bleiben, wird ein Aufenthaltsrecht für weitere zwei Jahre gewährt (bei Nichtbeschäftigung weitere Duldung für sechs Monate). Die Altersbegrenzung von 21 Jahren für den Beginn der Ausbildung wurde aufgehoben.
  • Auszubildende mit Fluchterfahrung können zusätzliche Ausbildungsförderungen früher als bisher erhalten.
  • Damit Flüchtlinge mit guter Bleibeperspektive leichter eine Arbeit aufnehmen können, verzichtet die Arbeitsagentur – abhängig von der regionalen Arbeitsmarktlage - für drei Jahre auf die Vorrangprüfung.
  • Als Konsequenz der ausgesetzten Vorrangprüfung können Asylbewerber und Geduldete bereits nach drei Monaten in der Zeitarbeit eingesetzt werden (bislang grundsätzlich erst nach 15 Monaten möglich). Die Regelung ist auf drei Jahre befristet.
Weitere Informationen zum neuen Integrationsgesetz finden Sie in einem Infoblatt des NETZWERK Unternehmen integrieren Flüchtlinge.

Aktuelle Veränderungen im Asylrecht


Ende Juli 2015 wurde die Dritte Verordnung zur Änderung der Beschäftigungsverordnung (BeschV) vom Bundeskabinett verabschiedet mit dem Ziel, Asylsuchenden und Geduldeten den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. Zudem soll die Vorrangprüfung für die Teilnahme an bestimmten Praktika entfallen. Der erleichterte Zugang zum Arbeitsmarkt soll es Flüchtlingen ermöglichen, sich einfacher und schneller in die Gesellschaft zu integrieren.
Außerdem ist das Gesetz zur Neubestimmung des Bleiberechts und der Aufenthaltsbeendigung im August in Kraft getreten. Danach können geduldete Jugendliche und Heranwachsende, die vor Vollendigung des 21. Lebensjahres eine Berufsausbildung aufnehmen möchten oder während des Asylverfahrens aufgenommen haben, während der Ausbildung nicht abgeschoben werden, sofern mit einem erfolgreichen Abschluss zu rechnen ist und sie nicht aus einem sicheren Herkunftsstaat kommen.


Jobbörse für Geflüchtete und Arbeitgeber

Arbeitsgelegenheiten

Staatliche, kommunale und gemeinnützige Träger können Asylbewerbern Arbeitsgelegenheiten zur Verfügung stellen, sofern die zu leistende Arbeit sonst nicht, nicht in diesem Umfang oder nicht zu diesem Zeitpunkt verrichtet werden würde.


Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen und Zeugnisse

Nach dem Anerkennungsgesetz BQFG haben alle Personen mit einem im Ausland erworbenen Berufsabschluss einen Anspruch auf Überprüfung der Gleichwertigkeit ihrer ausländischen Berufsqualifikation.

Studienmöglichkeiten für Flüchtlige

Angesichts der Flüchtlingskrise und dem großen Ansturm asylsuchender Menschen, öffnen viele deutsche Hochschulen und Unis ihre Hörsäle für Flüchtlinge. Die Hochschulen und Unis wollen die Flüchtlinge mit Studienerfahrung schneller in das deutsche Bildungssystem integrieren. Seit 17. November 2015 pilotiert die Leuphana Universität im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit den Online-Kurs „Ready for Study“, um Flüchtlingen die Integration in das deutsche Hochschulsystem und den Arbeitsmarkt zu erleichtern. Das bundesweit angebotene Online-Format macht Geflüchtete mit Bildungsangeboten und Hochschulalltag vertraut, bietet betreutes Sprachtraining und ermöglicht den Erwerb praxisnaher Studienkompetenzen.

Die Kiron University in Berlin ermöglicht Flüchtlingen ein Studium: in den ersten zwei Jahren belegen Studenten (kostenlose) Online-Kurse auf Englisch. Erst im dritten Jahr wechseln Kiron-Studenten an eine gewöhnliche Uni, die mit Kiron eine Partnerschaft eingegangen ist. So bleiben Flüchtlingen in der Zwischenzeit zwei Jahre, um Deutsch zu lernen, gegebenenfalls die Abiturprüfung nachzuholen und nach Anerkennung einen Antrag auf Bafög zu stellen.

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