Volltextsuche:
Your Language: DE | EN
Schrift einstellen: AA

Stadtnachrichten

Hier finden Sie Informationen aus dem städtischen Mitteilungsblatt  "Schorndorf Aktuell"

Stuttgarter Architekturbüro Ippolito Fleitz soll die neue Stadtbücherei am Archivplatz bauen
Juryentscheidung am Donnerstagabend dem Gemeinderat vorgestellt




 Das Stuttgarter Architekturbüro Ippolito Fleitz Group soll die neue Stadtbücherei  am Archivplatz 4 in Schorndorf bauen.  Am gestrigen Donnerstagabend stellte Martin Schmidt, Geschäftsführer der Stadtbau GmbH Schorndorf, den Siegerentwurf der Mehrfachbeauftragung den Mitgliedern des Gemeinderates vor.  Fünf Büros hatten sich an der Mehrfachbeauftragung beteiligt, die Entscheidung der Jury fiel Ende April. Ippolito Fleitz sieht einen kubischen Anbau an das historische Gebäude Archivstraße 4 vor, der die Geschosshöhe des bestehenden Altbaus aufnimmt. Der Anbau zeichnet sich dadurch aus, dass er als offene Galerie konzipiert ist und somit Blickbeziehungen über alle fünf Stockwerke hinweg ermöglicht.  „Wir hatten fünf sehr gute, interessante und innovative Entwürfe. Dennoch gab es einen, der uns alle am meisten überzeugt hat. Und so  ist die  Entscheidung der Jury einstimmig auf das Büro Ippolito Fleitz gefallen“, sagt Martin Schmidt. Ippolito Fleitz habe es aus Sicht der Jurymitglieder bestens  gelöst, die Anforderungen an eine moderne Bibliothek in das historische Ambiente einzufügen: „Die Idee, einen mehrgeschossigen Galerieanbau zu realisieren, der an den Außenwänden nahezu unendlich Platz für Bücher und gleichzeitig eine hohen Aufenthaltsqualität bietet, ist  absolut stimmig.“  Die alte Meierei sei ein historisches Gebäude von hoher Qualität und in gutem Zustand, begann Gunter Fleitz die Erläuterung zum Entwurf. Ziel sei es gewesen, einen „Bücherturm“  zu planen, der einerseits der Meierei ihre Kraft lässt und sorgfältig mit deren Historie umgeht, andererseits selbstbewusst und charaktervoll für sich steht.

 „Ich freue mich, dass wir herausragende Architekten für unsere neue Stadtbücherei begeistern  konnten und sehr unterschiedliche Entwürfe bekommen haben“, betont Schorndorfs Oberbürgermeister Matthias Klopfer. Zu den Favoriten des Stadtchefs zählte auch ein Entwurf des Büros Lederer Ragnarsdòttir Oei Architekten aus Stuttgart. Deren Vorschlag: auf das bestehende Gebäude einen Glasbau zu setzen.   „Es wäre ein sehr außergewöhnliches und imposantes Bauwerk entstanden, dessen Grundidee war, dass gleichzeitig ein neuer Platz entsteht, der sich an der Historie orientiert. Allerdings standen Vorgaben des Denkmalschutzes dagegen.“ Aber auch mit der Entscheidung für den ebenso außergewöhnlichen und intelligent geplanten Entwurf von Ippolito Fleitz seien nun die Weichen gestellt, „dass Schorndorf eine besondere Bücherei an einem ganz besonderen Standort mitten in der Stadt bekommt“.  Die Freude bei Stadtbüchereileiterin Marianne Seidel ist ebenfalls groß:  „Ich bin sehr angetan, wie gut der ausgewählte Entwurf unsere Anforderungen erfüllt. Entscheidend ist für mich die Idee, den Anbau über mehrere Ebenen als offenen Galerieraum zu gestalten und mit Bücherregalen auszukleiden“, erklärt Büchereichefin Marianne Seidel. Die Einsehbarkeit der einzelnen Stockwerke  trage dazu bei, den Raumfluss von Geschoss zu Geschoss zu leiten.  Außerdem stünde mit den vielen Regalen an den Wänden des Anbaus ausreichend Stellfläche für die Medien zur Verfügung. In der zweiten Stufe der Mehrfachbeauftragung wird der Siegerentwurf  nun konkretisiert, „damit wir Planungs- und Kostensicherheit haben“, erklärt Martin Schmidt. Der Gemeinderat hat einen Kostenrahmen von sechs Millionen Euro vorgegeben. Noch vor der Sommerpause könnte das Gremium dann den Baubeschluss fassen.  Alle Entwürfe sind noch bis kommenden Mittwoch im Rathaus-Foyer, Marktplatz 1, ausgestellt.

 „Wir können mitten in der Stadt etwas Tolles platzieren, die Verbindung von Altbau und Moderne hat viel Esprit“, sagte FDP/FW-Stadträtin Sabine Brennenstuhl. Ähnlich äußerte sich CDU-Stadtrat Ingo Sombrutzki: „Diese Lösung setzt  einen Akzent und schafft einen  Magneten  für die Innenstadt.“  Auch wenn die SPD-Fraktion zunächst skeptisch gewesen sei, was den Standort Archivstraße 4 angeht, so sei man doch jetzt überzeugt von dem Siegerentwurf, erklärte SPD-Stadtrat Martin Thomä: „Der Bücherturm bietet bibliothekarisch sehr viele Möglichkeiten bietet.“ Innenräumlich und städtebaulich überzeuge der Entwurf, sagte GRÜNEN-Stadtrat Wilhelm Pesch, auch wenn die Fraktion nach wie vor Güterbahnhof-Fan sei: „Wir werden den ersten Preis aber wohlwollend begleiten.“   Unisono betonten die Fraktionen, dass es nun wichtig sei, bei den Kosten im vorgegebenen Rahmen zu bleiben. Im November 2016 hatte der Gemeinderat mit großer Mehrheit beschlossen, dass die Stadtbücherei ihren neuen Standort am Archivplatz 4 im heutigen Technischen Rathaus finden soll.  Ende Januar dieses Jahres startete die Mehrfachbeauftragung, an der folgende Büros teilnahmen:  Bloss und Keinath Architekten aus Winterbach, Greiner Architekten aus Schorndorf, Ippolito Fleitz Group aus Stuttgart, Lederer  Ragnarsdòttir Oei  Architekten aus Stuttgart und die WerkGemeinschaft Guttenberger aus Stuttgart. Bis zum 18. April mussten die Büros ihre Entwürfe einreichen. Die Jurysitzung fand am 26. April statt und war besetzt mit neun stimmberechtigten Mitgliedern:  Professor Kai Haag, Professorin Stefanie Eberding, Professor Dr. Michael Goer, Oberbürgermeister Matthias Klopfer, Monika Ziller, Stadtrat Ingo Sombrutzki, Stadtrat Martin Thomä, Stadträtin Sabine Brennenstuhl und Stadtrat Wilhelm Pesch.

Und hier ist die Bewertung der Jury zum Entwurf von Ippolito Fleitz im Wortlaut:

„Als notwendige Erweiterung des Bestandsbaus schlagen die Verfasser ein skulpturales, weitgehend monolithisches Gebäude vor, welches das Ensemble selbstbewusst, aber nicht dominant nach Süden abschließt. Sowohl der Rücksprung an der Archivstraße, der den Altbau freistellt, als auch das Vorrücken zum Archivplatz, der einen geschützten Vorbereich definiert, werden für gut befunden.  Schön sind sowohl das EG-Fenster auf der Südseite, das einen guten Einblick bis in das UG der Bücherei erlaubt, als auch das große Fenster über zwei Geschosse mit dem Fensterladenmotiv. Noch nicht ganz geklärt scheint die Fuge zwischen Alt- und Neubau. Auf der Ostseite mit dahinterliegender Treppe wirkt sie sehr dominant. Unglücklich ist auch, dass sie hier über die Trauflinie greift, während sie auf der Westseite durch eine Verbreiterung auch als Nebeneingang zum Aufzug genutzt werden könnte, um eine barrierefrei Erreichbarkeit des Untergeschosses mit der Saal-Nutzung außerhalb der Öffnungszeiten der Bücherei zu ermöglichen.

Der Eingang liegt richtigerweise im historischen Torbogen. Allerdings beengt der weit eingeschobene Windfang den Eingangsbereich. Von hier aus sind sowohl die Verbuchungszone als auch die beiden   Treppenanlagen gut erreichbar. Der Zeitschriftenlesebereich im EG mit Café und anschließendem Freibereich im Norden ist gut platziert, nur leider teilweise etwas zu voll möbliert (siehe Perspektive). Die Anordnung des Sortierraums und der Rückgabe sollte überdacht werden. Sie sollte direkt vom Eingangsbereich aus zugänglich sein. Ein wesentlicher Beitrag des Entwurfs ist die ringförmige Erschließung mit umlaufenden Galerien über 6 Geschosse im Neubau. Gleich im EG hat man einen guten Einblick sowohl in den Sachbereich im UG als auch in den Belletristikbereich der Obergeschosse. Hier wird ein klassisches Motiv des Bibliotheksbaus interessant neu interpretiert: Die weitgehend geschlossenen Außenwände erlauben eine optimale Ausnutzung des Neubaus mit umlaufenden Regalzonen, die alle überwiegend über ein großzügiges Oberlicht und das angesprochene 2-geschossige Fenster belichtet werden. Entlang der Galerien werden attraktive Lesezonen und Arbeitsplätze angeboten. Dieser offene Galerieraum birgt allerdings die Gefahr der Lärmbelästigung durch Gruppen, was sich durch eine entsprechende Möblierung reduzieren lässt. Akustik-Maßnahmen sind erforderlich und bereits Teil des Entwurfs. Die Anforderung, Aufenthaltsqualität zu schaffen, wird optimal und in Vielfalt gelöst.

Die Ausformung der Galeriekanten (vor allem in der Untersicht) in gerundeter Form steht jedoch formal in gewissem Widerspruch zur prägnanten kristallinen Form des Baukörpers und wird kontrovers diskutiert.  Die Nutzungsverteilung im Bestand mit dem abgeschlossenen Verwaltungsbereich im 1. OG und dem Kinderbereich in den beiden Dachgeschossen des Altbaus sind übersichtlich und gut angelegt. Eine großzügige interne Luftraumverbindung über die Geschosse des Kinderbereichs, z. B. im nördlichen Bereich, könnte diese Qualität allerdings noch steigern.
Der Versammlungssaal im Untergeschoss ist über die beiden Treppen und den Aufzug gut erschlossen, jedoch sollte der Flur vor dem WC-Bereich verbreitert werden. Der Entwurf zeichnet sich sowohl hinsichtlich des Neubaus als auch mit Blick auf den Umgang mit dem Altbau als besonders denkmalverträglich aus. Erhalten werden sollte allerdings die historisch funktional wichtige Aufzugsgaube. Erwogen werden sollte auch die Verwendung von bündigen Glasflächen, vor allem in der zweiten Dachgeschoßebene. Der Entwurf berücksichtigt weitgehend die vorhandene Baukonstruktion und Statik des Altbaus. Hier muss lediglich im EG und OG die bestehende Wand zwischen Treppenhaus und Neubau durch einen Unterzug ersetzt werden. Trotz maßvoller Höhenentwicklung und gut erfüllten Flächenwerten ist die Kubatur durch das Untergeschoss im Neubaubereich überdurchschnittlich. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Neubau mit seiner inneren Organisation und seiner äußeren monolithischen Erscheinung einen spannungsvollen Gegensatz zum Altbau formuliert und sowohl städtebaulich als auch innenräumlich bis auf die angesprochenen Punkte überzeugt.“

Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass unsere Dienste Cookies verwenden. Mehr erfahren OK