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Stadtnachrichten

Hier finden Sie Informationen aus dem städtischen Mitteilungsblatt  "Schorndorf Aktuell"

Kapelle am Grafenberg


Auf der Aussichtsplattform am Grafenberg entsteht im Rahmen der Remstal Gartenschau 2019 ein Bürgerprojekt der besonderen Art: eine Kapelle aus Holz, die komplett durch Spenden aus der Bürgerschaft finanziert und eine gemeinsamer Ort aller christlichen Kirchen in Schorndorf sein wird. Vergangene Woche stellte Architekt Patrick Stremler vom renommierten Bregenzer Architekturbüro Dietrich/Untertrifaller das Modell und seine Gedanken zur Kapelle vor.

Idee der Kapelle am Grafenberg

Architekt Patrick Stremler„In der Geschichte Schorndorfs gab es seit jeher viele Kapellen“, leitete Oberbürgermeister Matthias Klopfer das Gespräch mit den Vertretern der christlichen Kirchen vergangene Woche ein. Der erste Gedanke eine Kapelle zu bauen, entsprang der Idee des Landschaftsarchitekten Prof. Jörg Stötzer. Er hatte die Vorstellung in den teilnehmen Kommenunen der Remstal Gartenschau weiße Kapellen zu errichten. Anstatt Kapellen, gebe es nun für jede Remstalkommune eine weiße Station. Doch die Idee der Kapelle sei aus Schorndorf und am Standort des Grafenbergs nicht mehr wegzudenken, so Klopfer. Mit der Kapelle werde ein Ort der Begegnung geschaffen, ein besonderer Ort, mit dem die Menschen auch besonders umgehen, sind sich Klopfer und Stötzer einig. OB Klopfer freut sich, dass nun dieser Ort des Innehaltens am Grafenberg geschaffen wird. Der perfekte Ort auch für alle Wanderer und Radfahrer kurz Innezuhalten, zur Ruhe zu kommen und Nachzudenken, sagte Klopfer. „Die Kapelle wird Teil des Landschaftsraums werden. Ein sinnlicher, kraftvoller Ort, der den Dialog zwischen Architektur und Landschaftsarchitektur perfekt inszeniert“, ergänzte Prof. Stötzer.

Hybrides und facettenreiches Gebäude

Modell der Kapelle - Dietrich/Untertrifaller Architekten - Angela LamprechtDie Kapelle soll 12 Meter lang, 4,80 Meter breit und mit einer Höhe von etwa sieben Metern durch die Stadtbau Schorndorf GmbH realisiert werden. Vor Ostern 2019 startet der Baubeginn. Die Bauzeit selbst betrage nur wenige Tage, informierte Martin Schmidt. Die Maße schaffen ein außergewöhnliches Raumgefühl und Platz im Inneren für rund 20 Personen. Das besondere an der Kapelle ist ihre Wandelbarkeit. „Einerseits stellt die Kapelle einen intimen, kleinen, Schutz bietenden Raum dar, andererseits lässt sich durch lammellenartige Seitenwände der Raum öffnen. Durch die Öffnung wird eine „Durchdringung aber auch ein faszinierendes Lichtspiel der Sonnenstrahlen ermöglicht“, so Stremler. Somit lässt sich die komplette Aussichtsplattform integrieren und mehr als 200 Personen können beim Gottesdienst im Grünen teilhaben. Die Kapelle werde ressourcenschonend und nachhaltig aus natürlichen Materialien gebaut. Architekt Stremler schlägt vor, die Kapelle komplett im „Zimmermannstil“ aus dem Holz der Weißtanne zu fertigen. Durch die Witterung erhalte die Kapelle mit der Zeit eine silberfarbene Optik und werde dadurch Teil der Natur. Das Dach soll mit Holzschindeln gedeckt werden, die problemlos bis zu einhundert Jahren der Witterung standhalten und der Kapelle eine einmalige Wertigkeit verleihen. Mit der Holzbauweise habe das Büro schon gute Erfahrung, so Stremler. Mit ihrem Projekt einer Holzsporthalle in Lyon wurden die Architekten von Dietrich/ Untertrifaller vergangenes Jahr mit dem nationalen französischen Holzbaupreis ausgezeichnet.

Gottesdienst an der langen Tafel

Modell der Kapelle - Dietrich/Untertrifaller Architekten - Angela LamprechtEine Idee, die ebenfalls aus der Feder von Prof. Stötzer stammt und die Architekt Patrick Stremler unbedingt aufgreifen wollte, ist die Idee einer langen Tafel als Herzstück der Kapelle. „Der Tisch löst alle Hierarchien ab. Alle, die um den Tisch sitzen sind gleich und bilden eine Einheit“, so Stötzer. Von diesem Vorschlag waren die kirchlichen Vertreter genauso begeistert, wie von der Kapelle selbst. „Es fasziniert mich, dass die Stadt eine Kapelle bauen wird. Ein außergewöhnliches und besonderes Vorhaben. Der Tisch im Zentrum des Raums symbolisiere ein typisches christliches Element, so Pastor Stefan Reinhardt, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen und der Evangelischen Allianz in Schorndorf. Pfarrer Thomas Fuchsloch kann sich sogar einen teilbaren Tisch vorstellen. So ließe sich beispielsweise nach Bedarf ein Altar schaffen und dennoch gebe es die Möglichkeit sich um die zweite Tischhälfte zu setzen. Auch schlug er vor an diesem besonderen Ort gemeinsame standesamtliche und kirchliche Trauungen zu ermöglichen.

Ein Kreuz für eine christliche Kirche

Dekanin Dr. Juliane Baur der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde in Schorndorf ist vom Konzept der Kapelle überzeugt. Die Kapelle biete Raum für Gemeinschaft aber auch Raum für ein ruhiges Gebet. Eine Zeremonie im kleinen Stil sei genauso möglich, wie der Gottesdienst im Grünen. Sie untertstützte den Vorschlag des Architekten ein schlichtes, aber sichtbares Kreuz neben der Kapelle anzubringen. Da eine Weihung der Kapelle voraussichtlich nicht möglich sei, ist es den Vertretern der Kirche ein wichtiges Anliegen das christliche Symbol anzubringen.

Nächste Schritte

„Das Konzept gefällt“, stellte Oberbürgermeister Matthias Klopfer bei diesem Auftaktgespräch mit den Vertretern der Kirche fest. In der Diskussion haben wir uns vielmehr auf die Gestaltung des gesamten Raums konzentriert, als auf die Kapelle selbst, so sein Fazit. Aus dem ersten Auftaktgespräch haben die Beteiligten viele Impulse mitgenommen. Als Kernteam werden die Vertreter der Kirchen gemeinsam mit Stadt und Stadtbau weiterarbeiten und künftige Fragen diskutieren, wie die Pflege, Instandhaltung und Nutzung der Kapelle. Auch über die Zugänglichkeit, geregelt durch Patenschaften, sowie die Regelmäßigkeit der Gottesdienste wollen die Beteiligten in den nächsten Treffen konkret sprechen.

Informationen zum Bürgerprojekt

OB Klopfer bedankte sich bei seinem Bürgermeisterkollegen Erster Bürgermeister Edgar Hemmerich, der nicht lange gezögert habe, als er als Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung e.V. von dem Bürgerprojekt gehört hatte, dieses zu übernehmen. Die erste große Spendenzusage in Höhe von 25.000 Euro stammt ebenfalls aus der Bürgerstiftung. Auch die Stadtbau und die Stadtwerke leisten einen finanziellen Beitrag. Der Impuls zum bürgerschaftlichen Projekt kam aus dem Schorndorfer Gemeinderat. Unter dem Dach der Bürgerstiftung werden seit Anfang des Jahres Spenden für den Bau der Kapelle gesammelt. Grob ein Drittel der Finanzierung der Kosten in Höhe von rund 150.000 Euro stehe bereits. Klopfer und Hemmerich sind zuversichtlich durch engagierte Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmerinnen und Unternehmen die restlichen zwei Drittel der Kosten abdecken zu können. Informationen zur Spendenaktion finden sich online unter www.buergerstiftung-schorndorf.de.


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