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Stadtnachrichten

Hier finden Sie Informationen aus dem städtischen Mitteilungsblatt  "Schorndorf Aktuell"

Solar-Poesie mit Propellerchen
Kunst am Bau im Atrium des neuen Burggymnasium – Roland Fuhrmann installierte sein Raumobjekt „In omnes partes“


Ein echter Hingucker: die Kunstinstallation „In omnes partes“ im Neubau des Burg-Gymnasiums.

Zu den wenige Wochen vor der Einweihung am 21. September im Innern des neuen Burggymnasiums unter Hochdruck arbeitenden Handwerkern gesellte sich zuletzt auch der Künstler Roland Fuhrmann. Hoch in den Lüften des Lichthofs brachte er sein Kunst-am-Bau-Projekt „In omnes partes“ (In alle Richtungen) an. Farbige Stäbe, die mittels Solarzellen kleine Propeller anwerfen und sich dann anmutig leise zu drehen beginnen. Gottlieb Daimler hätte gewiss seine Freude gehabt an dem Tüftler Roland Fuhrmann. Der in Berlin lebende Künstler ist mit seinen kinetischen Arbeiten und Kunst-am-Bau-Objekten weit bekannt geworden und von einer Schorndorfer Jury für die Ausschmückung des Lichthofes im neuen Burg-Gymnasium ausgewählt worden.

Filigrane Konstruktion

Da schwebt er nun hoch oben im Innern des Schulgebäudes und bringt an neun in drei parallelen Bahnen ausgerichteten, an der Decke befestigten Seilen, seine verschiedenfarbigen Stäbe an. Auf drei Höhenebenen strukturieren sie nun nicht nur filigran den großen, leeren Raum, sondern sorgen auch für Bewegung. „In omnes partes“, also „in alle Richtungen“ nennt er die Installation. Lateinisch, weil das Burggymnasium eine humanistische Tradition hat. Und, fügt er hinzu, um auf den Ursprung der Stadt in der Römerzeit Bezug zu nehmen. „Hier befand sich eine wichtige römische Straßenkreuzung, aus der sich die Siedlung und spätere Stadt entwickelte. Von hier aus ging es in alle Richtungen.“

In alle Richtungen werden auch die Schülerinnen und Schüler des Burggymnasiums nach dem Ende ihrer Schulzeit zerstreut werden. Die Welt steht ihnen offen und dafür stehen die bunten Stäbe als bewegliche, hoch sensible Richtungsweiser.
Aber so leicht, luftig und anmutig das aussieht, da ist doch auch einiges an hochmoderner Technik im Spiel. So ist an einem Ende der zwei meter langen Aluminiumstäbe eine viereckige Platte mit Solarzelle und drei Kondensatoren angebracht. Am anderen Ende befindet sich ein kleiner Propeller, der, wenn genügend Sonnenlicht durch das Glasdach einfällt, sich bewegt und so die waagrechten Stäbe stumm zum Kreisen bringt. Da nur vier schmale Lichtstreifen vom Oberlicht her durch den Raum wandern wird das Geschehen rhythmisiert und wetterbedingt zufällig. So entsteht dann ein poetisch choreografiertes Ballett in den Lüften, völlig lautlos, immer wieder überraschend durch plötzlichen Beginn und sanftes Auslaufen.

Bewegung, aber keine Hektik. „Kunst am Bau ist ein schwieriges Feld“, fügt Roland Fuhrmann hinzu. In eine Galerie gehe man einmal, „aber hier sind Sie jeden Tag drin. Deshalb ist es wichtig etwas zu machen, das immer wieder anders erscheint, etwas das anregt und vielschichtig deutbar ist.“

Wenig Sonne, viel Bewegung

„Es ging mir auch darum zu zeigen, mit wie wenig Sonne man etwas bewegen kann“, erklärt der Künstler zu einem weiteren Aspekt seiner Konzeption. „Der Gedanke war, was Fortschrittliches zu zeigen: Energie, die umsonst ist.“ Die Herausforderung war dabei das Glasdach, das so konstruiert ist, dass es zwar Licht aber nur ein Viertel der Sonnenenergie durch lässt. Das allerdings war Fuhrmann am Anfang seiner Arbeit nicht klar. Es musste also getüftelt und experimentiert werden. So hat er sich ein Muster vom Glasdach schicken lassen und damit Versuche mit den Solarzellen angestellt. Den Prototyp hat er selber gebaut und musste sich dabei lange mit der Elektronik herumärgern. „Ich war da mal ziemlich traurig“, gesteht er. „Dazu hat die beauftragte Firma dann bei bei der Produktion falsche Teile eingebaut. „Es war eine Katastrophe! Keine Firma ist rechtzeitig fertig geworden. Am Ende war's eng.“

Mit seinem Assistenten David Nadge baute er nun an einem Wochenende die Installation auf. „Wir sind eingespielt, wir sind so wie vier“, sagen beide im sächsischen Tonfall und lachen. Der Architekt, Dieter Broghammer, war auch schon da, „der war ganz begeistert“. Zum Abschied sagt Fuhrmann noch: „Der Kern in der Mitte des Gebäudes lebt. Wir hoffen, dass die Leute das ins Herz schließen, dass es gemocht wird und erhalten wird.“

Offizielle Einweihung des Burg-Gymnasiums

Die offizielle Einweihung des Burg-Gymnasiums ist am Freitag, 21. September. Dr. Susanne Eisenmann, Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg wird ein Grußwort halten.

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