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Stadtnachrichten

Hier finden Sie Informationen aus dem städtischen Mitteilungsblatt  "Schorndorf Aktuell"

Das Reallabor-Projekt endet am Wochenende


Seit dem 10. März sind sie flexibel im Einsatz - die zwei Kleinbusse „Gottlieb“ und „Barbara“, die mit ihrem knallig-roten Schriftzug schon ein fester Bestandteil der Schorndorfer Südstadt geworden sind. Doch ab dem kommenden Wochenende, also ab Sonntag, 9. Dezember ist Schluss. Das Reallabor-Projekt endet und somit verschwinden auch die zwei Kleinbusse aus dem Stadtbild. Wer also noch einmal die Kleinbusse nutzen möchte, kann dies am kommenden Wochenende tun. Der letzte Umlauf startet am 9. Dezember um 5.19 Uhr am Bahnhof. Danach wird auf den regulären Linienbetrieb umgestellt. Die Linien 242 und 247 sind dann wieder mit festen Routen und fester Taktung im Einsatz, die Kleinbusse gehen zurück zur Hochschule Esslingen (Gottlieb) und zum Leasing-Partner (Barbara).

Reallabor endet

Merkmal Flexibilität

Damit endet dann auch das wesentliche Merkmal, das den ÖPNV jeweils am Wochenende in Schorndorfs Südstadt auszeichnete: Die Flexibilität bzgl. Fahrzeit, Routing sowie Ein- und Ausstiegsort für die Fahrgäste. Denn kennzeichnend für das Reallabor-Projekt ist es, dass die Klein-Busse, via Handy-App, Internethomepage oder Telefon bestellt werden und hierbei Fahrtzeit sowie Ein- und Ausstiegsort flexibel angegeben werden. Möglichkeiten zum Ein- und Aussteigen gibt es viele: 56 reguläre Haltestellen und 202 virtuelle Haltepunkte. Nun also gilt bald wieder der feste Fahrplan und erste Erkenntnisse zum Einsatz der Reallabor-Busse lassen sich jetzt schon aufzeigen.
Denn so zeigte sich zum Beispiel, dass die Kleinbusse sich durchaus dazu eignen, den Öffentlichen Personennahverkehr in den Schwachlastzeiten (das heißt also außerhalb des Schüler- und Pendlerverkehres) aufrechtzuerhalten. 10.000 Fahrten wurden von 10. März bis 21. November gebucht, hinzu kommen noch die zahlreichen Spontanzusteiger, die das Angebot der Mitfahrt ohne Buchung ab Bahnhof gerne nutzen. Die Buchungsstatistik zeigt auch, dass die Anzahl der Fahrgäste recht stabil bleibt. So wurden zwischen März und Mitte Juli von Freitagmittag bis Sonntagabend regelmäßig zwischen 300 und 400 gebuchte Fahrgäste transportiert, ab Ende Juli, das heißt also ab dem Zeitpunkt der verkürzten Einsatzzeiten von Freitagabend bzw. Samstagnachmittag an konnten pro Wochenende konstante 150 bis 200 gebuchter Personen transportiert werden. Dabei wird auch deutlich, dass die Handy-App das bevorzugte Mittel zur Buchung der Busse ist: Zwischen 60 und 80 Prozent der Buchungen gingen über die App ein. Circa 30 Prozent der Bucher griffen zum Telefonhörer, um den Bus telefonisch zu bestellen und lediglich zwei Prozent der Fahrgäste buchten den Bus per Web. Über einen Zeitraum von 40 Wochen konnten hierbei im Mittel 96 Prozent der Buchungsanfragen erfolgreich beantwortet werden. Das heißt: Der Fahrgast bekam seine Fahrt zu der von ihm gewünschten Zeit und am von im gewünschten Ein- und Ausstiegsort zugesichert.

Hohe Quote bei Buchungen

Diese hohe Quote erfolgreicher Buchungen ist keine Selbstverständlichkeit und resultiert im Wesentlichen aus der guten Zusammenarbeit zwischen Projektteam und Bürgerschaft. Denn nur durch die zahlreichen Rückmeldungen seitens der Bürgerschaft zum Buchungssystem, konnte der den Buchungen hinterlegte Algorithmus beständig angepasst und verbessert werden, so dass ein optimaler Weg der Fahrtroutenbündelung gefunden werden konnte. Für Diana Gallego Carrera, die das Projekt von Seiten der Stadtverwaltung Schorndorf aus betreut, ist dies auch das Besondere am Reallabor-Projekt: das beständige Zusammenwirken von Bürgerschaft, Stadtverwaltung und Projektteam. „Wir sind sehr dankbar über die zahlreichen Hinweise, die uns aus der Bürgerschaft erreicht haben. Die Bürger haben wesentlich dazu beigetragen, das System Schritt für Schritt zu verbessern“ so Diana Gallego Carrera.
Neben der hohen Quote der erfolgreichen Buchungen zeigt das Projekt auch, dass sich solch ein flexibles System unter Umweltgesichtspunkten ebenfalls positiv beurteilen lässt: Denn obwohl die flexiblen Busse ein größeres Stadtgebiet abdecken als der lineare Verkehr (so sind im flexiblen Betrieb zum Beispiel direkte Ost-West-Verbindungen möglich, die es im linearen Verkehr nicht gibt) und obwohl die Kleinbusse samstagnachts fünf Stunden länger in Betrieb sind als der reguläre Linienbus, konnten knapp 2.000 Kilometer eingespart werden. Fährt der Linienbetrieb im untersuchten Zeitraum 20.791Kilometer, so sind es beim flexiblen Betrieb nur 18.749 Kilometer. Die flexiblen Kleinbusse sparen also Ressourcen ein und erzeugen weniger Emissionen. Dies gelingt dadurch, dass im Reallabor-Betrieb keine Leerfahrten mehr erfolgen und gebuchte Fahrten auf direktem Weg abgewickelt werden können.
Für Manfred Beier, dem Leiter des Fachbereichs Stadtentwicklung und Baurecht ist daher auch klar: „Wir haben im Projekt viel gelernt und neue Erkenntnisse gewonnen. Es zeigt sich, dass ein flexibles System zu bestimmten Zeiten durchaus seine Vorteile hat.“ Allerdings verweist er auch darauf, dass in absehbarer Zeit ein derartiges Projekt wohl nicht nochmal realisiert werden könnte. Zu groß sind hierbei rechtliche Hürden, denn für die nächsten Jahre sind die Linien bereits an die Omnibusunternehmen vergeben.

Abschlussveranstaltung

Am Freitag, 25. Januar findet ab 18 Uhr im Schorndorfer Rathaus die öffentliche Abschlussveranstaltung des Reallabor-Projektes statt. Diese Veranstaltung ist auch gleichzeitig der Auftakt für eine Ausstellung, die bis zum 17. Februar im Foyer des Rathauses zu sehen sein wird und die sich insbesondere dem Thema „Fahrzeugkonzepte“ widmet.



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