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Ehrenbürger Gottlob Kamm

Gottlob Kamm wurde am 21. Oktober 1897 als Kind einer vierköpfigen Familie in Schorndorf geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Schorndorf, begann Kamm eine Mechanikerlehre, die er mit der Gesellenprüfung im Jahre 1914 abschloss. Die Wirren des 1. Weltkrieges erreichten auch Gottlob Kamm, er wurde im Jahre 1916 eingezogen. Aufgrund einer schweren Kriegsverletzung, die er sich im Jahre 1918 zugezogen hatte, verlor Kamm sein rechtes Bein.

Nach Kriegsende arbeitete Gottlob Kamm bei verschiedenen Arbeitgebern, er betrieb beispielsweise auch im Jahre 1924 einen Kiosk beim Bahnhof in Schorndorf. Er heiratete im Jahre 1925 seine Ehefrau Rosa. Im selben Jahr begann Kamm´s politische Laufbahn. Im Dezember 1925 wurde er in den Schorndorfer Gemeinderat gewählt, wo er bis zur Machtergreifung Hitlers, im Jahre 1933, die Kommunalpolitik aktiv mitgestaltete.

Da Kamm nebenberuflich auch als freier Mitarbeiter der sozialdemokratischen „Freien Volkszeitung“ Göppingen tätig war, und in dieser Eigenschaft auch häufig sowohl gegen den Kommunismus, als auch gegen den Nationalsozialismus kämpfte, geriet Kamm schnell ins Visier der Nationalsozialisten. Im Februar 1933 wurde ihm das Betreten des Schorndorfer Rathauses unter Androhung von Schutzhaft verboten. Dennoch wurde Gottlob Kamm im Laufe des Jahres 1933 verhaftet und in das Konzentrationslager Kuhberg gebracht, wo er einige Zeit verbringen musste. Nach seiner Entlassung fand er erst im Jahre 1935 erneut einen Arbeitsplatz. Die Zeit von 1935 bis zum Kriegsende 1945 war für Gottlob Kamm eine sehr schwierige und bittere Zeit. Seine schon damals veröffentlichten Bücher wurden auf dem Marktplatz verbrannt, mehrmals wurde er aufgrund falscher Verdächtigungen von der Gestapo vernommen. Am meisten zu schaffen machte ihm aber, dass ehemalige Parteifreunde aus Angst vor Repressalien begannen, seine Gegenwart zu meiden und ihn auf der Straße nicht einmal mehr grüßten.

Der Höhepunkt seines politischen Schaffens und Wirkens sollte allerdings erst noch in den Nachkriegsjahren 1945-48 kommen. Am 25. Juni 1945 wurde Gottlob Kamm zum Bürgermeister von Schorndorf berufen. Die Situation stellte sich damals als sehr kritisch dar. Schorndorf stand unter amerikanischer Militärherrschaft, materielles Elend bedrückte die Bevölkerung und nahezu die gesamte wirtschaftliche Produktion war zusammengebrochen. Dazu kam ein nicht abreißender Strom von Flüchtlingen, die untergebracht werden mussten. Kamm´s politischer Scharfsinn und Weitblick und seine Fähigkeit zu kommunizieren muss dann auch der Landesregierung in Stuttgart aufgefallen sein, denn im Jahre 1946 wurde Kamm zuerst zum Staatssekretär, dann als Minister für politische Befreiung ("Entnazifizierungsminister") ernannt.

Reibungslos verlief die Zusammenarbeit mit den amerikanischen Militärbehörden aber dennoch nicht, denn Kamm schlug vor "die Fälle der kleinen Leute ruhen zu lassen und sich ausschließlich den Schuldigen zu widmen“. Da das aber nicht im Sinne der Militärbehörden war, erklärte Gottlob Kamm seinen Rücktritt. Dieser wurde allerdings nicht angenommen. Mit dieser Forderung stellte er sein Gespür für die Stimmung innerhalb der Bevölkerung unter Beweis. Denn die schon zuvor bundesweit gescheiterte Entnazifizierungs-Politik hinterließ in der Öffentlichkeit den Eindruck, man ließe „die Kleinen (Leute) hängen, und die Großen laufen". Verständlicherweise machte sich Kamm durch seine Tätigkeiten als Bürgermeister und Minister nicht nur Freunde. So trat er denn auch schließlich im Februar 1948 von seinem Amt als Landesminister zurück.

Die nächsten vier Jahre war Kamm Mitglied des Landtags. Schon 1947 hatte die SPD ihn und seine Frau Rosa in die Verfassungsgebende Versammlung von Württemberg-Baden berufen. Die nächsten zwei Jahrzehnte war Gottlob Kamm vor allem in der Kommunalpolitik aktiv. Seit dem Jahr 1954 war Kamm wieder Stadtrat seiner Heimatstadt und blieb dies bis zu seinem Rücktritt aus dem Gremium im Jahre 1971. Er machte sich aber nicht nur um Schorndorf verdient, sondern auch als Kreistagsabgeordneter zeichnete er sich in den Jahren von 1947-1973 aus. In beiden Gremien setzte er sich vor allem für soziale Belange ein. Er galt deshalb nicht nur in Schorndorf als "Anwalt der kleinen Leute“.

Neben seinem politischem Engagement war Gottlob Kamm auch auf dem Gebiet des Sports äußerst aktiv. Lange Zeit stand er dem damaligen Arbeitersportverein "Freie Sportvereinigung“ vor. Seine unermüdlichen Bemühungen um soziale Gerechtigkeit zeigt sich auch in einer Auswahl der erhaltenen Auszeichnungen: Goldene Ehrenplakette des VdK, Großes Verdienstkreuz der BRD (5. März 1953), Ehrenbürgerschaft (21. Oktober 1967) und die Goldene Verdienstmedaille der Stadt Schorndorf.

Gottlob Kamm starb am 20. November 1973

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