Volltextsuche:
Your Language: DE | EN
Schrift einstellen: AA
Die Schorndorfer Weiber
Startseite > Die Stadt > Stadtporträt > Historisches > Schorndorfer Weiber

Barbara Künkelin und die Weiber von Schorndorf, 1688

Nachdem im Jahr 1688 die Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. rechtsrheinisches Gebiet überfallen und die Festung Philippsburg erobert hatten, zogen sie auch nach Württemberg. Sie steckten Dörfer in Brand, eroberten Städte und zwangen Festungen durch Erpressung zur Übergabe. In Stuttgart herrschte Verwirrung: Der Regent, Herzog-Administrator Friedrich Karl war mit dem noch unmündigen Herzog Eberhard Ludwig nach Regensburg geflohen, während die Truppen des schwäbischen Kreises noch in Ungarn mit Kaiser Leopold I. gegen die Türken kämpften. In der Landeshauptstadt versuchte unterdessen die Herzogin Witwe Magdalene Sibylle alle Forderungen der Franzosen zu erfüllen, um weiteres Unheil von Württemberg abzuwenden.

Eine dieser Forderungen war die Übergabe der mächtigen Landesfestung Schorndorf. Hier war inzwischen Oberstleutnant Johann Günther Krummhaar (1650 - 1707) Festungskommandant geworden. Er war fest entschlossen, mit seinen 200 Mann Garnisonstruppen die Festung zu verteidigen. Auch die Bürgerschaft war zur Gegenwehr entschlossen und so standen an jedem Tag durchschnittlich 476 Mann auf dem Wall. Außerdem schickte der Magistrat der Stadt immer wieder Kuriere zum Markgrafen Karl Gustav von Baden-Durlach, dem Befehlshaber der schwäbischen Kreistruppen, die inzwischen nach Ulm marschiert waren. Aber auch das Anbieten hoher Bestechungssummen (die übrigens nach Beendigung der Affäre auch ausgezahlt wurden) konnte den Markgrafen nicht zum Marsch nach Schorndorf veranlassen, um die Stadt zu entsetzen.

Hier war inzwischen am 13. Dezember 1688 der berüchtigte französische Brigadier Ezéchiel Comte de Mélac aufgetaucht, um die Übergabe der Stadt zu fordern. Als er abgewiesen wurde, drohte er, mit weiteren Truppen wieder zu kommen. Am 15. Dezember waren schließlich aus Stuttgart zwei Abgesandte mit dem Befehl zur Kapitulation eingetroffen. In dieser kritischen Lage rotteten sich die Schorndorfer Frauen unter der maßgeblichen Beteiligung von Anna Barbara, der Ehefrau des Bürgermeisters Walch (später wiederverheiratete Künkelin) zusammen, liefen vors Rathaus und bedrohten Magistrat und Abgesandte, um eine Übergabe der Stadt zu verhindern. Zwei Tage später wurde Mélac, der diesmal mit 500 Reitern und 200 Fußsoldaten erschienen war, erneut abgewiesen, doch nun setzten sich auch die kaiserlichen Truppen in Bewegung, die Franzosen, die ja eigentlich keinen Kampfauftrag hatten, sondern so viel wie möglich aus dem Land herauspressen sollten, zogen sich kampflos zurück. Die Standhaftigkeit der Bürger und der Mut der Schorndorfer Frauen hatten die Stadt gerettet.

Weitere Informationen:

  • www.stadtmuseum-schorndorf.de
  • www.historisches-wuerttemberg.de
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Schorndorfer_Weiber
  • www.schorndorfer-weiber.de

    Heute sind die "Schorndorfer Weiber" ein eingetragener Verein mit etwa 50 Mitgliedern. Die Arbeitsgemeinschaft von Schorndorfer Frauen setzt sich für die Heimatpflege, für Kunst und Kultur und für soziale Einrichtungen, immer gebunden an Schorndorf, ein. Engagiert arbeiten die Frauen auch in der Altenhilfe. Zu besonderen Anlässen, wie bei städtischen Festen, tragen sie authentische Gewänder der Bürger- und Bauersfrauen und erinnern an die Courage der Weiber im Jahre 1688. Sie organisieren Veranstaltungen, immer mit dem Ziel, die Erlöse in vollem Umfang als Spenden für Projekte für das Allgemeinwohl der Bürgerschaft zu stiften.
  • Barbara-Künkelin-Preis

    Alle zwei Jahre wird der Barbara-Künkelin-Preis verliehen - an eine Frau oder Frauengruppe, die sich im Sinne der Stiftungsurkunde als auszeichnungswürdig erwiesen hat.

Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass unsere Dienste Cookies verwenden. Mehr erfahren OK