Blick über Schorndorf

Stadtnachricht

Ein Indianerdorf als Spielplatz


Ob die Spielplätze im Schloss- und im Stadtpark oder die Raible-Anlage – die Stadt Schorndorf verfügt über viele große und kleine Spieloasen. Einige davon haben schon ein paar Jahre hinter sich und so überrascht es nicht, dass erst kürzlich der in die Jahre gekommene Spielplatz im Schumannweg neu gerichtet wurde, dabei war dieser vielen bisher gar nicht bekannt. Selbst Tim Schopf, Einrichtungsleiter der Kita Purzelbaum, wusste nicht, wo sich der Spielplatz befindet, obwohl seine Tochter auf die nahegelegene Fuchshofschule geht. Das hat sich nun aber geändert, da er mit seinem Team und den Kita-Kindern sieben Totempfähle für den Spielplatz geschaffen hat.

Talentierte Schnitzer


Anfang Juli rief die Stadt auf ihrer Facebookseite talentierte Schnitzer auf, für die Neugestaltung des Spielplatzes Totempfähle zu kreieren. Schopf, der mit seinem Kollegen Michael Kreitmayr nebenberuflich Waldpädagogik macht, musste nicht lange überlegen und antwortete. So schnell wie Tim Schopf reagierte, so schnell versiegte aber auch der Fluss an Freiwilligen. Niemand meldete sich mehr. Er wisse, dass Holzarbeit nicht jedermanns Sache sei, erzählt Schopf, aber er sei schon enttäuscht, dass sich keiner der Anwohner, deren Kinder ja von dem Spielplatz profitieren, sich einbrachte.

Schopf und Kreitmayr – der eine Einrichtungsleiter, der andere Gruppenleiter in der Kita Purzelbaum – ließen sich davon jedoch nicht entmutigen und fragten kurzerhand einfach ihr Team, ob sie nicht auch Lust hätten. Und so sägten, hobelten und schnitzten die sechs Gruppenleiter der Kita Purzelbaum plus Tim Schopf mit ihren Kindern an den von der Stadt zur Verfügung gestellten Rubinienstämmen. „Von Kindern für Kinder fand ich eine schöne Idee“, erklärt Schopf, auch wenn er verrät, dass natürlich mehr die Erwachsenen am Holz zugange waren. Von Anfang Juli bis jetzt investierten sie so schätzungsweise jeweils 20 Arbeitsstunden in jeden Pfahl - neben dem Kindergartenalltag, auch in der Freizeit, wenn die Kinder schon weg waren.

Tim Schopf, Ines Hagmann und Michael Kreitmayr (v.l.) setzen den ersten Totempfahl im Spielplatz Schumannweg ein.

Und es hat sich gelohnt: Die sieben Totempfähle imponieren mit ihren aufwendigen Schnitzereien und farbenfrohen Bemalungen, inspiriert von den Namen der Kita-Gruppen. So zieht es die „Flügelstürmer“ in den Himmel, die Gipfelstürmer auf den Berg und bei den Waldläufern klammert sich ein beeindruckend echter Salamander an den grünen Stamm. Auf Tim Schopfs Totempfahl thront derweil ein Weißkopfseeadler, der, wie er gesteht, vor der Bemalung auch mal für einen Oktopus gehalten wurde. Die Farbe übrigens haben die Zentralen Dienste extra rausgesucht und bereitgestellt. Sollte eines der Kinder (oder ein Erwachsener, man weiß ja nie) auf die Idee kommen, an dem Totempfahl zu lecken, hat es (oder er) nichts zu befürchten, denn die Farbe kann keine Giftstoffe abgeben.

„Wir sind auf jeden Fall glücklich mit dem Ergebnis“, sagt Felix Bochterle von den Zentralen Diensten. Und auch Ines Hagmann hofft auf mehr Beteiligung beim nächsten Versuch, nachdem das Projekt nun so erfolgreich war. „Wir probieren das einfach nochmal, vielleicht melden sich ja dann mehr Menschen.“
Doch wie kam es eigentlich zu dem Indianerthema für die Neugestaltung des Spielplatzes? Anfangs zunächst einmal mit dem Durchblättern von Fachzeitschriften, die alle schöne Mottos hatten. Das gefiel Hagmann: „Wir brauchen mal einen Spielplatz mit Motto“, stellte sie fest und fragte sich dann, was denn zu dem großen Vogelnestbaum passe. „Man kann das gar nicht so genau beschreiben“, versucht Bochterle den Gedankengang zu rekonstruieren. „Es war eine Verkettung von Gedanken, aber letztendlich sind wir dann beim Wilden Westen, den Totempfählen und dem Rutschenturm in Form eines Wigwams gelandet.“ Es sei ihnen wichtig gewesen, einen attraktiven Spielplatz zu schaffen. So blieb von dem alten Angebot auch nur eine Wippe übrig. Dafür können die Kinder nun rutschen und vor allem klettern. „Richtig hoch“, betont Hagmann, „die größeren Kinder brauchen das.“

Die alte Rutsche indessen soll stolze 50 Jahre auf dem Buckel gehabt haben und gegen Ende nicht mehr sehr einladend ausgesehen haben. Die restlichen Spielgeräte befanden sich in einem ähnlichen Zustand. Da sich mittlerweile auch die Vorschriften für Spielgeräte geändert hatten, musste eine Veränderung her. Auf dem neuen Spielplatz ist fast nichts mehr, wie es vorher war. Zentraler Punkt ist nun ein großer Sandbereich mit einem bunten Vogelnestbaum zum Klettern. Er stammt aus dem Stadtpark und wurde mit frischen Seilen auf Trab gebracht. Der von den Zentralen Diensten gebaute Wigwam ist gleichzeitig Klettermöglichkeit und Unterschlupf. Von oben können Kinder die große Rutsche hinuntersausen und danach auf einer Pferdewippe um die Wette „reiten“. Zwischen zwei großen alten Bäumen befindet sich zudem eine neue Schaukel. Wer sich noch nicht auf die große Klettertour traut, kann auf dem kleinen Totempfahlhügel seine ersten Kletterversuche wagen. Auf der kleinen Rutsche geht es sanft wieder hinunter. „Im schlechtesten Fall halten die Pfähle 15 Jahre, im besten 30 Jahre oder mehr“, erklärt Bochterle. Und Hagmann fügt an: „Wir haben damit also etwas Langfristiges geschaffen.“

Die Arbeit an dem Projekt habe Spaß gemacht, erzählt Tim Schopf, auch wenn es am Ende etwas stressig geworden sei. „Aber wir als Bürger müssen eben auch etwas für unsere Stadt machen.“ Die Totempfähle werden in den nächsten Wochen eingesetzt. Dann kann sie jeder bewundern. Und vielleicht gibt es ja schon bald ein neues Projekt vom Fachbereich Infrastruktur, bei dem sich die Schorndorferinnen und Schorndorfer einbringen können.
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