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Blick über Schorndorf

Stadtnachricht

"Zehn Jahre Barbara Künkelin Halle "Die Zweite"



Barbara-Künkelin-Halle

Im ersten Jahr des neuen Millenniums, am 25. Oktober 2000, wurde sie vom damaligen Schorndorfer Oberbürgermeister Winfried Kübler feierlich eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben: Die neue Barbara-Künkelin-Halle. Als streitgeborenes „Bürgerhaus“ hat sie sich in den vergangenen zehn Jahren erstaunlich rasch als ein wie selbstverständlich angenommener und viel besuchter Versammlungs- und Veranstaltungsort etabliert.

Ehrwürdige 98 Jahre lang stand von 1900 bis 1998 an derselben Stelle die erste Künkelin-Halle (damals noch ohne Vornamen). Wurde dieser Bau damals ganz im Zeichen einer „vaterländischen Begeisterung“ gefeiert, hat die jetzige Barbara-Künkelin-Halle sich mit Elan den ganz neuen Aufgaben des anstehenden Jahrhunderts geöffnet und ist erfolgreich zu einem modernen Umschlagplatz bürgerschaftlicher Öffentlichkeit als Medium kultureller Integration geworden.

Das ist ihr nicht unbedingt in die Wiege gelegt worden. Ihre relativ kurze Planungs- und Bauphase war von heftigen Auseinandersetzungen begleitet, die einen Graben durch die Bevölkerung zogen und sie in zwei Lager spaltete. „Vor allem im Kultur- und Sozialbereich werde sich nach einem Ja zur neuen Halle der Rotstift austoben“, wurde im September 1995 in der Zeitung eine Gemeinderätin zitiert. Befürchtungen, dass sich die Stadt mit den avisierten 15 bis 20 Millionen Mark für die neue Halle übernehmen würde, wurden laut. Das Trauma des 1981 vom Regierungspräsidium gestoppten Bauvorhabens einer Stadthalle am jetzigen „Parksee“ an der Gmünder Straße war noch zu frisch und wirkte noch lange in den Köpfen nach. Über fünf Millionen Mark hatte die Stadt damals für die Folgen ungenügender Planung aufzuwenden.

Zudem geriet die Stadthallenplanung bei der Bevölkerung in Konkurrenz zu einem von vielen favorisierten Hallenbad-Neubau. Skepsis gegenüber einer fehlenden „kulturellen Konzeption“ für das neue Bürgerhaus und einem gefürchteten hohen jährlichen Abmangel wurde laut. Es wurde die Sorge geäußert, die neue Halle sei für Vereine und deren Veranstaltungen in Zukunft unerschwinglich und dass sie Kürzungen bei bereits etablierten, „alternativen“ kulturellen Einrichtungen nach sich ziehen werde.

Für großen Unmut sorgte darüber hinaus die Ablehnung einer Bürgerbefragung durch Verwaltung und Gemeinderat. Dem daraufhin von den Hallen-Gegnern organisierten Bürgerbegehren folgte am 12. Oktober 1997 der Bürgerentscheid zum geplanten Bauwerk. Weil die Gegner das notwendige Quorum nicht erreichten, stand einem Bau nichts mehr entgegen. In diesem Entscheindungsprozess, bewiesen die Schorndorfer wieder ihr leicht erregbares und zugleich doch glühend erotisches Verhältnis zu Fragen der Mitgestaltung ihrer sozialen und kulturellen Angelegenheiten.

Nun, nur zehn Jahre, nachdem am neuen Ort Hallenmanager Hans-Dieter März mit seinem Team die Arbeit aufgenommen hat, kann auf insgesamt 450.000 Besucher und über 2.000 Veranstaltungen zurückgeschaut werden. Die am Anfang von Stadt und Gemeinderäten an den künftigen Hallenbetrieb gestellten Erwartungen sind damit sogar übertroffen worden.

Eine „Halle für alle“ sollte sie werden, die Barbara-Künkelin-Halle „Die Zweite“, und mit einer breiten und bunten Palette von Veranstaltungen ist sie diesen Erwartungen mehr als gerecht geworden. Dabei bietet sie nicht nur den ortsansässigen Vereinen, Schulen oder Kirchen mit durchschnittlich etwa 200 Veranstaltungen im Jahr ein Forum, auch von Parteien, Firmen und für Messen wird die Halle immer wieder gern genutzt.

Zudem weitet die Barbara-Künkelin-Halle mit ihrem vielseitigen Programm aber immer wieder auch den Blick über die Grenzen der Region hinaus. So waren in den vergangenen Jahren viele klingende Namen der deutschen und internationalen Kulturszene zu Gast in der auch technisch den Ansprüchen der Veranstalter genügenden „Barbara II.“: Musiker wie Giora Feidman, Katja Epstein, Wolfgang Dauner, Justus Frantz, Konstantin Wecker oder Oregon; die Schauspieler Christine Kaufmann, Doris Kunstmann, Günther Lamprecht und Otto Schenk; dazu Kabarettisten wie Dieter Hildebrandt, Mathias Richling, Karl Dall, Gerhard Polt und Mike Krüger; und Entertainer wie Alfred Biolek oder der Bergsteiger Reinhold Messner, um nur einige zu nennen. Dazu kamen immer wieder interessante Theater-Gastspiele von Bühnen aus der ganzen Republik, vom Musical bis hin zu mitreißenden Klassiker-Inszenierungen. In Erinnerung blieb etwa ein grandioser „Nathan der Weise“ von der Neuen Bühne Senftenberg, der ganze Schulklassen zu faszinierter Aufmerksamkeit verführte. Dazu immer wieder Aufführungen des Theaters Lindenhof mit seinem schwäbischen Regionaltheater. Aber auch die vom Publikum geliebten Dialektbühnen wie dem Chiemgauer Volkstheater oder dem Ohnesorg Theater Hamburg.

Die drei Veranstaltungsräume in verschiedenen - und zum Teil variablen - Größen, der Gottlieb Daimler- (610 Plätze), Reinhold Maier- (180) und Fritz-Abele-Saal (60), haben sich für die unterschiedlichsten sowohl privaten wie auch repräsentativ öffentlichen Bedürfnisse als geeignet erwiesen: Vom großen Neujahrsempfang, der inzwischen überregional wahrgenommenen Palm-Preis-Verleihung, den Schulorchesteraufführungen, Sportlerfesten oder Multivisionsschauen, bis hin zu Podiumsdiskussionen, Gremiensitzungen oder kleineren Vorträgen steht das jeweils passende Ambiente zur Verfügung.
Mit dem im Haus integrierten, aber selbstständigen, Figurentheater „Phoenix“ und dem Restaurant „Courage“ rundet sich das Angebot des Bürgerhauses ab: Es ist zu einem auch architektonisch einnehmenden, einladend hellen Treffpunkt für alle Generationen und die unterschiedlichsten städtischen Gruppierungen geworden.

Integration heißt hier auch, gerade die beeindruckende Vielfalt sonst kaum wahrgenommener, gesellschaftlicher „Parallelwelten“ eines Mittelzentrums wie Schorndorf, - und das macht ja gerade dessen Reichtum und Attraktivität aus -, einen Ort öffentlicher Wahrnehmung zur Verfügung zu stellen. Und das umfasst die Modellflugbauer ebenso wie ein Vertriebenentreffen oder ein Deutsch-Chinesischen-Freundschaftsabend.

Zur Integration gehört aber auch noch besonders, wie das Angebot der neuen Barbara-Künkelin-Halle in den in Schorndorf doch erstaunlich reichhaltigen Verbund anderer Kultureinrichtungen eingebettet ist. Gerade in diesem heiklen Punkt haben die Skeptiker der Halle dann zum Glück am wenigsten Recht behalten. Im Gegenteil, die Stadt hat nach dem Bau der zentralen Stadthalle mit den Galerien für Kunst und Technik noch einen weiteren attraktiven Veranstaltungsort geschaffen. Mit dem Kulturforum sind anregende Vernetzungen wie ein gemeinsames Aboprogramm entstanden. Man nimmt sich nichts; es gibt wirklich neuartige und produktive kulturelle Synergie-Effekte zum Wohle der kulturinteressierten Öffentlichkeit.

Aber nicht nur die vielfältigen politischen, sozialen und kulturellen Ansprüche an einen modernen Veranstaltungsort haben sich geändert; das Kulturverständnis selbst hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten gewandelt. Es hat Publikumsverschiebungen im Geschmack und Freizeitverhalten gegeben, die so kaum vorstellbar schienen. Auf der einen Seite gibt es Spezialisierungen - wie etwa im Club Manufaktur mit seinem elaborierten Musikprogramm - auf der anderen Seite gibt es Publikumsdurchmischungen, die vom Schwinden fest gefügter Vorlieben in sich scheinbar abgeschlossener Publikumssegmente zeugen. Da ist gesellschaftlich erstaunlich viel in Bewegung - und Orte mit einem Angebot ohne Berührungsängste, wie „Barbara II“, haben das Ihre dazu beigetragen. Auch, indem sie ein offen undogmatisches Programm machen, auch für ein so noch nie da gewesenes Publikum, das älter werdend immer jünger bleibt.
Herzliche Glückwünsche also zum 10. Geburtstag. Weiterhin ein langes und spannendes Leben, voll Musik, Poesie und bürgerschaftlichen Auseinandersetzungen um das bessere Zusammenleben. Thomas Milz
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