Blick über Schorndorf

Stadtnachricht

Selbständige schaffen erfolgreiches Netzwerk


Für gut ein Dutzend Frauen in Schorndorf ist der 11. August 1999 nicht nur als Tag der Sonnenfinsternis im Gedächtnis geblieben, sondern auch als der Anfang einer sehr erfolgreichen Vernetzung ihrer beruflichen Interessen. Nachdem an jenem Abend auf Initiative von Bettina Schröder und unter der Mitwirkung der damaligen Frauenbeauftragten Dr. Edit Kirsch-Auwärter der Unternehmerinnen-Stammtisch gegründet wurde, ist über zehn Jahre hinweg ein funktionierendes Netzwerk selbstständiger Frauen gewachsen, zu dem kontinuierlich neue Mitglieder dazugestoßen sind.

Ziel und Inhalt der Unternehmerinnen ist es, in und um die Daimlerstadt, eine Plattform, ein Netzwerk zu bieten, die das Zusammenführen von Unternehmerinnen, Freiberuflerinnen, Frauen in leitenden Positionen, Existenzgründerinnen und allen Interessentinnen ermöglicht.

Das Netzwerk ist mit großem Engagement ehrenamtlich organisiert und geführt und so war es möglich, dass bis heute insgesamt 60 Treffen stattfanden, die jeweils ein Fachreferat eines der Mitglieder boten. Das Themenspektrum deckt alle Aspekte ihres Berufsalltags ab: Bankgespräche, staatliche Zuschüsse, Mitarbeiter-Motivation, Konfliktmanagement, Steuer, Werbung, rechtliche Fragen. Daneben spielen aber auch Fragen des richtigen Umgangs mit sich selbst und anderen eine große Rolle. Sehr gut besucht waren etwa die Treffen, bei denen es um Persönlichkeitsentwicklung, Fitness im Arbeitsalltag oder auch die richtige Balance zwischen Beruf und Privatleben ging. Regelrechte Renner waren die Themen "Small Talk" und der praktische Knigge-Abend "Das erfolgreiche Geschäftsdinner".

Die Unternehmerinnen greifen darüber hinaus gern auch grundsätzliche und eher heikle Fragen auf. So stieß der Abend "Altersarmut von Selbstständigen" auf große Resonanz. Das Netzwerk setzte sich zudem aktiv für die Aufstockung der Stelle der Frauenbeauftragten ein und thematisierte im Vorfeld der Kommunalwahlen die Schwierigkeiten, mit denen besonders Frauen bei der politischen Teilhabe in der Gesellschaft konfrontiert sind.

Das Netzwerk ist inzwischen so groß, dass alle Themen von den eigenen Mitgliedern vorgetragen werden. "Es ist toll, wie viele Fachfrauen wir haben", erklärt Sylvia Deppe, die von Anfang an im Organisations-Ausschuss des Netzwerkes wirkt, "da sind alle Branchen vertreten." Genauso wichtig wie die Fachinformation ist bei jedem Treffen der Erfahrungsaustausch, von dem bereits sehr viele Existenzgründerinnen profitiert haben. Die "alten Häsinnen" helfen laut Sylvia Deppe gern, wenn es darum geht, die Jungen sowohl auf drohende Klippen hinzuweisen als auch Tipps und Anregungen zu geben. "Allerdings müssen die letzten Schritte und die Konsequenzen natürlich von den Gründerinnen selbst getragen werden. Wir können nur Tipps geben, sind aber keine offizielle Beratungsstelle", erklärt Bettina Schröder. Beide Frauen bringen eine zwanzigjährige Berufserfahrung mit; Schröder in der Werbemittelbranche, Deppe im Asien-Import. Sie selbst trafen, als sie sich selbstständig machten, noch auf Vorbehalte, die heute undenkbar sind. So berichten sie von Bankgesprächen, in denen sie sich nicht so richtig ernst genommen fühlten.

Nachdem sich sowohl die Unternehmerinnen als auch ihr Netzwerk etabliert haben, engagieren sie sich nun verstärkt für die gesellschaftlichen Strukturen, die es Frauen heutzutage immer noch schwermachen, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen. So beteiligten sie sich beim baden-württembergischen Frauenwirtschaftstag mit hochkarätig besetzten Podiumsdiskussionen und sponsorten am "Equal Pay Day" dieses Jahres eine Aktion, die darauf aufmerksam machte, dass Frauen bei gleicher Leistung immer noch ein Viertel weniger verdienen als Männer. "Es ist wichtig, dass wir aus unserer gestärkten Position heraus und mit unserem Selbstbewusstsein, solche Aktionen unterstützen", erklären beide Damen Schröder und Deppe stellvertretend für die Unternehmerinnen Schorndorf.

Die schwierigen Ausgangspositionen, zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die gesellschaftliche Anerkennung, sind für Frauen die Karriere machen, immer noch sehr präsent.
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