Integration mitgestalten
Nicht nur zuschauen, sondern selbst etwas bewegen: Genau das hat Michl Schneider, Pastor der Kirche Connect, dazu gebracht, sich im Fachrat für Integration Schorndorf (FIS) zu engagieren. „Mich hat die Möglichkeit gereizt, konkrete Themen anzusprechen, eigene Ideen einzubringen und selbst etwas zu verändern“, erzählt der Sprecher des Fachrats. Für ihn steht dabei eines im Mittelpunkt: Menschen mit Migrationsgeschichte sollen gehört und mit einbezogen werden: „Integration funktioniert nur, wenn wir gemeinsam etwas machen.“
Ab Januar 2027 beginnt eine neue Amtszeit des Fachrats – und dafür werden engagierte Menschen wie Michl Schneider gesucht, die mit ihrem Wissen und ihren persönlichen wie beruflichen Hintergründen die Integrationsarbeit in Schorndorf mitgestalten möchten. Bewerbungen sind noch bis zum 18. Oktober möglich.
Eine Stimme für unterschiedliche Perspektiven
Der Fachrat für Integration ist ein ehrenamtliches Beratungs- und Beteiligungsgremium. Seine Mitglieder beschäftigen sich mit Integration, gesellschaftlicher Teilhabe und dem Zusammenleben in Schorndorf. Sie beraten die Stadtverwaltung und kommunalpolitische Gremien, greifen Anliegen aus der Stadtgesellschaft auf und entwickeln eigene Projekte.
Aktuell besteht der FIS aus 17 Personen: sieben Menschen mit Migrations-, Flucht- oder Zuwanderungsgeschichte, fünf Fachkundige aus unterschiedlichen Bereichen der Integrationsarbeit sowie fünf Stadträtinnen und Stadträte aller Parteien. Gerade von diesen unterschiedlichen Blickwinkeln lebt die gemeinsame Arbeit.
Seyhan Çalışkan-Turan, ebenfalls Sprecherin des FIS, arbeitet im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg im Bereich Förderprogramme. Schon während ihres Studiums engagierte sie sich in verschiedenen Gremien und suchte später nach einer Möglichkeit, sich auch in Schorndorf einzubringen. Themen wie Erinnerungskultur, Stadtgesellschaft und Sichtbarkeit beschäftigten sie bereits beruflich – im FIS fand sie schließlich das passende Ehrenamt.
Dass der FIS dabei mehr ist als ein symbolisches Beteiligungsformat, hat sie in den vergangenen Jahren immer wieder erlebt: „Es sind besondere Momente, wenn wir merken, dass unsere Einschätzungen von Verwaltung und Politik gehört und bei Entscheidungen berücksichtigt werden.“ Der Fachrat könne nicht nur Impulse setzen, sondern auch fachlich mitwirken, Stellungnahmen verfassen und in den kommunalpolitischen Gremien mitdiskutieren.
Von Antidiskriminierung bis Stadtentwicklung
Wie vielfältig diese Arbeit sein kann, zeigt ein Blick auf die vergangenen Jahre. Der FIS organisierte beispielsweise Workshops gegen Rassismus an Schorndorfer Schulen, beteiligte sich an der Interkulturellen Woche und begleitete die Gemeinschaftsunterkunft am Schornbacher Weg. Dort fanden regelmäßige Gespräche mit den Bewohnerinnen und Bewohnern statt, zudem entstanden Ideen für gemeinschaftlich nutzbare Räume und weitere Projekte.
Gerade der Schornbacher Weg ist Michl Schneider in Erinnerung geblieben. Durch seine langjährige Arbeit mit Geflüchteten kannte er viele Herausforderungen aus erster Hand. Als die Stadt den FIS bei der Planung der Unterkunft einbezog, konnte er sein Wissen aus der Praxis beisteuern. „Wir wurden gefragt, was es braucht und worauf bei der Planung geachtet werden sollte. Da habe ich gemerkt: Wir können tatsächlich etwas bewirken.“
Das Spektrum reicht jedoch noch weiter: von der Vernetzung mit Vereinen und anderen Integrationsgremien über Stadtentwicklung bis hin zu aktuellen kommunalpolitischen Fragen. Die Mitglieder entscheiden dabei gemeinsam, welche Schwerpunkte sie bearbeiten und können eigene Ideen entwickeln oder Arbeitsgruppen ins Leben rufen.
Politische Erfahrung? Nicht erforderlich
Wer jetzt denkt, für dieses Engagement müsse man bereits kommunalpolitischer Profi sein, den können beide FIS-Sprecher beruhigen. „Politische Erfahrung muss man nicht mitbringen“, betont Schneider. Viel wichtiger seien Interesse an kommunalen Themen, Offenheit für andere Sichtweisen und die Bereitschaft, auch einmal einen langen Atem zu haben. Entscheidend sei außerdem, nicht nur einzelne Interessen, sondern die gesamte Stadtgesellschaft im Blick zu behalten.
Auch Çalışkan-Turan macht Mut, das, was man selbst mitbringt, nicht zu unterschätzen. Wer selbst Migration oder Flucht erlebt hat, verfüge dadurch bereits über wertvolles Wissen. Andere wiederum können Kenntnisse aus Beruf oder Ehrenamt etwa in den Bereichen Integration, Bildung, Gesundheit oder Öffentlichkeitsarbeit beisteuern. „Man wächst in die Arbeit hinein“, sagt sie. Offenheit, Kommunikationsfähigkeit und Lust darauf, eigene Ideen zu entwickeln, seien viel wichtiger als kommunalpolitisches Vorwissen.
Gesucht werden für die neue Amtszeit deshalb insbesondere Menschen mit Migrationsgeschichte oder Fluchterfahrung sowie fachkundige Personen, die die Integrationsarbeit der Stadt aktiv mitgestalten möchten.
Engagement, das auch persönlich bereichert
Çalışkan-Turan hat durch ihre inzwischen fünfjährige Mitarbeit nach eigener Aussage viel darüber gelernt, wie Kommunalpolitik funktioniert: wie Entscheidungen zustande kommen, warum Veränderungen manchmal Zeit brauchen und weshalb Kompromisse zur Demokratie dazugehören. Schneider schätzt neben diesen Einblicken vor allem die Begegnungen: „Mein Netzwerk in Schorndorf ist durch den FIS enorm gewachsen. Es macht Spaß, mit anderen engagierten Menschen zusammenzuarbeiten. Gemeinsam bleibt man an Themen dran – und merkt, dass sich auch in kleinen Schritten etwas bewegt.“
Wer noch unsicher ist, kann den FIS zunächst kennenlernen: Die Sitzungen sind öffentlich, zudem besteht nach Rücksprache die Möglichkeit, bei den monatlichen Arbeitstreffen hineinzuschnuppern.
Jetzt bewerben
Die neue Amtszeit beginnt im Januar 2027. Interessierte können sich bis Sonntag, 18. Oktober, per E-Mail an FIS(at)Schorndorf.de oder per WhatsApp unter 0152 56712698 bewerben. Benötigt werden eine kurze Vorstellung, die Kontaktdaten und einige Sätze dazu, warum man sich im Fachrat engagieren möchte.
Weitere Informationen erhalten Interessierte bei Levin Nikolai, Integrationsbeauftragter der Stadt Schorndorf und Geschäftsführer des FIS, unter Telefon 07181 602-3311 oder per E-Mail an levin.nikolai(at)schorndorf.de