Sonnenstrom für Schorndorfs große Bühne
204 Solarmodule, knapp 100 Kilowatt-Peak Leistung und ein Batteriespeicher mit rund 217 Kilowattstunden Kapazität: Die Barbara-Künkelin-Halle produziert künftig einen erheblichen Teil ihres Stroms selbst. Am Dienstag nahmen Oberbürgermeister Bernd Hornikel und Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Dirk Wernicke das neue Energiesystem offiziell in Betrieb. Es ist eines der technisch anspruchsvollsten Photovoltaikprojekte auf einer städtischen Liegenschaft – und ein weiterer großer Schritt beim Ausbau erneuerbarer Energien in Schorndorf.
Denn eine Veranstaltungshalle stellt besondere Anforderungen an die Energieversorgung. Während Photovoltaikanlagen vor allem tagsüber Strom produzieren, steigt der Verbrauch in der Barbara-Künkelin-Halle häufig genau dann, wenn die Sonne bereits untergegangen ist: bei Konzerten, Theateraufführungen oder anderen Abendveranstaltungen. Beleuchtung, Lüftung, Kühlung und Veranstaltungstechnik können dann gleichzeitig hohe Leistungen benötigen. Genau hier kommt der neue Batteriespeicher ins Spiel. Er nimmt tagsüber überschüssigen Solarstrom auf und stellt ihn später zur Verfügung, wenn er in der Halle gebraucht wird. Gleichzeitig kann er Verbrauchsspitzen abfedern und damit den Bezug aus dem öffentlichen Stromnetz reduzieren.
„Mit der neuen Anlage zeigen wir, dass die Energiewende auch bei technisch anspruchsvollen Bestandsgebäuden funktioniert. Gerade die Kombination aus Photovoltaik, Speicher und intelligentem Energiemanagement macht dieses Projekt besonders“, sagt Oberbürgermeister Bernd Hornikel.
Solarstrom dann nutzen, wenn er gebraucht wird
Mit einer Kapazität von 217 Kilowattstunden ist der Batteriespeicher der bislang größte Indoor-Speicher auf einer städtischen Liegenschaft in Schorndorf. Vollständig geladen enthält er rechnerisch genug Energie, um rund 21 durchschnittliche Vier-Personen-Haushalte einen Tag lang mit Strom zu versorgen.
Auch auf dem Dach steckt beachtliche Leistung: Die 204 Solarmodule bringen es zusammen auf 99,96 kWp und belegen rund 436 Quadratmeter Dachfläche. Jeweils 102 Module sind nach Osten und Westen ausgerichtet. Dadurch verteilt sich die Stromproduktion besser über den Tag – die Ostseite liefert verstärkt am Vormittag, die Westseite am Nachmittag. Prognostiziert werden rund 97.000 Kilowattstunden Solarstrom pro Jahr.
78,6 Prozent des erzeugten Solarstroms sollen direkt in der Halle genutzt werden können. Insgesamt kann das System aus Photovoltaik und Speicher rechnerisch nahezu 40 Prozent des bisherigen Jahresstromverbrauchs der Barbara-Künkelin-Halle abdecken. Die prognostizierte CO₂-Einsparung liegt bei ca. 56,6 Tonnen pro Jahr – über eine angenommene Betriebsdauer von 20 Jahren sind das rund 1.100 Tonnen.
Maßgeschneiderte Lösung fürs Hallendach
Technisch war das Projekt alles andere als alltäglich. Das geneigte Trapezdach der Barbara-Künkelin-Halle ist begrünt – und diese Begrünung sollte erhalten bleiben. Diese Gegebenheiten stellten deshalb besondere Anforderungen an Statik, Anbringung und Ausrichtung der Solarmodule. Statt einer Standardlösung war eine eigens auf das Gebäude zugeschnittene Konstruktion erforderlich.
Mit dem Projekt setzt die Stadt zugleich die Maßnahmen aus ihrem Klimaschutzkonzept 2024 Schritt für Schritt um. Dieses sieht unter anderem den weiteren Ausbau von Photovoltaik auf städtischen Liegenschaften vor. Dafür werden die vorhandenen Dachflächen systematisch auf ihre Eignung geprüft. Bereits 36 Dächer städtischer Liegenschaften sind inzwischen mit PV-Modulen belegt. Die Anlage auf der Barbara-Künkelin-Halle gehört dabei zu den drei städtischen Anlagen mit der größten Stromproduktionskapazität.
Klimaschutz, der sich auch wirtschaftlich rechnet
Errichtet, betrieben und finanziert wird die Anlage von den Stadtwerken Schorndorf. Die Stadt stellt das Dach der Halle über eine Pacht zur Verfügung. Die Investition der Stadtwerke soll sich voraussichtlich innerhalb von rund acht Jahren amortisieren. Über ein sogenanntes On-Site-PPA-Modell wird der auf dem Hallendach erzeugte Solarstrom direkt vor Ort an die Barbara-Künkelin-Halle geliefert und der Halle zu vergünstigten Kosten angeboten.
Mit Gründach, Photovoltaik und Speichertechnologie entsteht so ein Gesamtsystem, das mehrere Ziele miteinander verbindet: erneuerbaren Strom direkt vor Ort erzeugen und möglichst viel davon auch selbst nutzen, den Strombezug aus dem öffentlichen Netz reduzieren und CO₂-Emissionen einsparen. Damit wird die Barbara-Künkelin-Halle zu einem weiteren konkreten Baustein auf Schorndorfs Weg zur angestrebten Klimaneutralität bis 2035.