Blick über Schorndorf

Stadtnachricht

Zweite Schorndorfer Friedenswochen


Noch bis zum 25. November

Das hat es in Schorndorf wohl bisher noch nicht gegeben, insgesamt 31 Vereine, Organisationen und Institutionen haben gemeinsam ein Mammut-Programm für die zweite "Schorndorfer Friedenswochen" auf die Beine gestellt. Die letzte Friedenswoche fand in den 80er Jahren statt.

Selten war ein Jahr so geschichtsträchtig wie 2009. Jubiläen wie 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland, 70 Jahre Beginn II. Weltkrieg, 50 Jahre Entwicklungsarbeit von "Brot für die Welt" und "Misereor" und 20 Jahre Mauerfall mahnen uns alle, für den Frieden erneut einzutreten.

Im Jahr 1945 wurden die Vereinten Nationen gegründet. Trotzdem leben wir nach wie vor größtenteils in einer gewaltorientierten Welt. Der stetige Klimawandel produziert dazu neue, uns bisher unbekannte Kriegsgefahren.

Die Veranstaltung "Eine andere Welt ist möglich - Wege zum gerechten Frieden" am 1. September, dem Antikriegstag, war der Auftakt zu einem umfangreichen und vielfältigen Programm, das sich über fast drei Monate erstrecken wird.

Seit Samstag, dem 24. August, ist im Foyer des Alten Rathauses die Ausstellung "Erinnern und Versöhnen - Hitlers Verbrechen" im Rahmen der Friedenswochen zu sehen. Diese vom Landesarchiv Baden-Württemberg zusammengestellte Ausstellung thematisiert die Verbrechen der deutschen Kriegsmaschinerie am französischen Volk, wie zum Beispiel das Massaker der SS-Division "Das Reich" in der Partnerstadt Tulle. In Schorndorf arbeiten viele, zumeist kleine Initiativen, Gruppen und Organisationen in den Bereichen Gerechtigkeit, Umwelt und Frieden. Sie sollen durch die Schorndorfer Friedenswochen vernetzt und in ihrer Arbeit bestärkt werden, erläuterte Hans-Martin Tramer bei der Vorstellung des Programms der Schorndorfer Friedenswochen im Rathaus gegenüber der Öffentlichkeit.

Der Bevölkerung soll durch die Vielzahl der Veranstaltungen neu bewusst werden, wie umfassend heutige Friedensarbeit ist und dass diese Arbeit als langwieriger, dynamischer Prozess zu verstehen ist, der aber noch intensiviert werden kann. Die ursprüngliche Initialzündung für die Friedenswochen ging vom ökumenischen Montagsgebet aus. Auf Betreiben der Offenen Kirche und des Eine-Welt-Laden "el mundo" wurden die Friedenswochen ein Projekt der Lokalen Agenda. Unter deren Federführung wird die Arbeit der einzelnen Gruppierungen koordiniert. Einen "Gerechten Frieden" zu schaffen, so die gemeinsame Aussage der 31 beteiligten Organisationen, Vereine und Institutionen, bedeutet einzutreten für lokale und globale soziale Gerechtigkeit, für gentechnikfreie und biologische Landwirtschaft sowie einen nachhaltigen und fairen Welthandel, für eine fremdenfreundliche und nicht ausgrenzende Politik, für ein tolerantes interreligiöses und interkulturelles Miteinander, für eine das Gemeinwohl fördernde Finanzpolitik, für eine Gerechtigkeit schaffende Entwicklungspolitik und für eine friedensstiftende Politik. Das Veranstaltungs-Programm soll beispielhaft verdeutlichen, wie und wo in Schorndorf für einen gerechten Frieden gearbeitet wird.

Die Friedenswochen sollen aufzeigen, wie und wo zukünftig Engagement lokal, regional und global sinnvoll und möglich ist, um die Gerechtigkeit und den Friedensprozess weiter voranzubringen.

Die Vielfalt des Programms zeigt auch auf, dass sich für jede Bürgerin und jeden Bürger Möglichkeiten bieten, um sich aktiv mit einzubringen.

Oberbürgermeister Matthias Klopfer hofft, dass vor allem die Schorndorfer Schulen die Möglichkeiten wahrnehmen, die ihnen das umfangreiche Programm der Friedenswochen bietet. Andrea Jakobs vom Koordinations-Team sieht die Schorndorfer Bildungsstätten bereits auf einem richtigen Weg, denn für sie zählt die Auschwitz-Fahrt einer Klasse der Daimler-Realschule genauso als wichtiger Beitrag zu den Friedenswochen wie die Erinnerungs- beziehungsweise Todesspur, die eine Konfirmandengruppe von Stuttgart nach Grafeneck legen will.

Der Programm-Flyer der Friedenswochen liegt in den Rathäusern, den Verwaltungsstellen, den Kirchengemeinden, der Manufaktur, beim Kulturforum und der VHS aus.


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