Stadtnachricht

Erfolgsgeschichte Austausch


Alexis Clavaud, Priscillia Durin, Coralie Thibaud und Mahmoud Alahmad (v.l.).

„In Deutschland benutzt man viiiel Soße“, erklärt Priscillia Durin den Unterschied zwischen deutscher und französischer Küche. Das Wort „viel“ zieht die 24-jährige Köchin dabei in die Länge wie Kaugummi und lacht aus vollem Hals. Sie scheint sich wohlzufühlen im Restaurant Courage, ihrem Arbeitsplatz seit einem Jahr. Chefin Silvia Unverdruss kann dies jedoch so nicht stehenlassen. „Im Schwabenländle benutzt man viel Soße“, korrigiert sie. Die lokalen Unterschiede der deutschen Küche sind Priscillia Durin dann doch noch nicht ganz so geläufig. Im März 2018 ist sie für ein zweiwöchiges Praktikum als Köchin nach Schorndorf gekommen. Ursprünglich stammt sie aus der Partnerstadt Tulle in Frankreich. Während ihres Praktikums entwickelte sie sich so gut weiter, dass sie beim Courage bleiben durfte. Seit September des letzten Jahres ist sie nun im Restaurant fest angestellt. Eine echte Erfolgsgeschichte.

Große Unterstützung

Möglich gemacht haben das ein Austauschprogramm für Azubis und eine lange Liste an Menschen. Seit zehn Jahren kommen Tuller Auszubildende nach Schorndorf. Die Daimlerstadt knüpft den Kontakt mit den Jugendlichen, das Programm Erasmus+ unterstützt die Azubis finanziell, Silvia Unverdruss bietet ihnen ein Praktikum im Courage an und Vertreter vom Partnerschaftsverein helfen bei der Abholung der Azubis. Außerdem organisieren sie Fahrräder und Ausflüge. Im speziellen Fall von Priscillia Durin hat die Stadt nach ihrem Praktikum auch eine Wohnung für sie organisiert. Jeden Morgen besucht Durin nun einen vierstündigen Sprachkurs der Volkshochschule, danach geht sie arbeiten bis spät am Abend. Freizeit hat sie dadurch natürlich nicht viel, aber im Kurs konnte sie trotzdem Freunde finden – was nicht verwundert, wenn man ihr sonniges Gemüt erlebt.

Die nächste Generation

Mit ihren erlernten Deutschkenntnissen hat sie sich dann auch gleich als Dolmetscherin für die nächste Generation an Praktikanten engagiert. Mahmoud Alahmad, 19, und Coralie Thibaud, 18, machen Ausbildungen zum Koch, Alexis Clavaud, 24, ist auf dem Weg, im Service zu arbeiten. Alle drei befinden sich im dritten von vier Lehrjahren. Die Jugendlichen hatten sich aufgemacht, Schorndorf und die deutsche Gastronomie kennenzulernen – natürlich im Courage. Denn welcher Ort wäre besser für so ein Abenteuer geeignet als ein Restaurant, das nach dem französischen Wort für Mut benannt ist. Und davon braucht es reichlich, möchte man in einem Land arbeiten, dessen Sprache man nicht versteht.

Wobei genau das auch das größte Problem bei der Einarbeitung sei, erklärt Silvia Unverdruss: die Sprachbarriere. Die Azubis sprechen kein Deutsch und so gut wie kein Englisch. Dennoch finden sie sich bemerkenswert schnell in die neue Situation ein, erzählt die Chefin. Innerhalb von ein paar Stunden kommen sie zurecht. Unter Anleitung von Priscillia Durin konnten die drei Azubis sogar eigenständig arbeiten. Chefkoch Fabio Unverdruss kontrollierte nur, ob alles passte.

„Kässpätzle und Maultaschen“

Auch wenn man in zwei Wochen nicht viel lernen kann, sind doch ein paar Fetzen Deutsch bei den Franzosen hängengeblieben. Die Worte, die Alexis Clavaud als Kellner am schnellsten lernte, waren in einem Restaurant mit schwäbischer Küche natürlich „Kässpätzle“ und „Maultaschen“. Der Syrer Mahmoud Alahmad ist ein wahres Sprachtalent. Er musste seine Heimat verlassen, als der Krieg begann. Ganze vierzig Tage – inklusive einer Mittelmeerüberquerung per Boot – hat er nach Frankreich gebraucht, wo er 2015 ankam. Dort lernte er innerhalb von sieben Monaten so gut Französisch, dass er als Muttersprachler hätte durchgehen können. Deutsch will er aber erstmal nicht lernen – Englisch hat jetzt Vorrang. Die größten Unterschiede zwischen französischer und deutscher Küche hat Alahmad aber gleich festgestellt: In Frankreich isst man nicht wie in Deutschland ein großes Gericht, sondern viele kleine. Es wird sich viel Zeit genommen für die Mahlzeit. Und zu allem gibt es Brot. Viel Brot. Wahrscheinlich das französische Pendant zur schwäbischen Soße.