Stadtnachricht

Präsentation der Heimatblätter Band 31


Das neue Jahrbuch.

Etwas verspätet ist nun der Band 31 (2017/18) der Schorndorfer Heimatblätter erschienen und wurde am vergangenen Samstag im Rahmen der Ausstellungseröffnung zum 50-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Tulle und Schorndorf präsentiert. Auch inhaltlich beziehen sich die diesjährigen Heimatblätter direkt oder indirekt auf die Ereignisse vom 9. und 10. Juni 1944 in Tulle und Oradour, als die Männer einer SS-Einheit in Tulle und Oradour hunderte von Zivilisten ermordeten. So berichtet Barbara Pienek über eine von einer Schorndorfer Delegation begleitete Gedenkveranstaltung für die Opfer dieses Massakers am 9. und 10. Juni 2016 in Tulle und Oradour.

Erinnerung

Es folgt ein Beitrag von Klaus Reuster über die Verlegungen von Stolpersteinen in Schorndorf zwischen 2008 und 2016. Die Steine erinnern an die in Auschwitz-Birkenau ermordeten Angehörigen der Familie Guttenberger, an Heinrich Talmon Groß, der im KZ Dachau ermordet wurde, und an Elsa Heinrich, Karl Hottmann, Albert Kohler und Marie Anna Fetzer, die alle Opfer des nationalsozialistischen Euthanasieprogramms wurden, der sogenannten „Aktion T4.“ Nach Kriegsende war zwar der direkte Nazi-Terror beendet, aber gleichwohl begleiteten die Schatten des Nationalsozialismus den Wiederaufbau einer deutschen politischen Kultur nach 1945.

Die nächsten beiden Beiträge im Band 31 der Heimatblätter handeln vom sogenannten Neuanfang nach 1945. Günther Zollmann schildert die Zeit zwischen 1945 und 1948 und zeigt, wie sehr die Vergangenheit Teil der damaligen Gegenwart war. Er beschreibt die Schwierigkeiten nach 1945, mit der Kommunalpolitik zu beginnen und gleichzeitig den Prozess der Entnazifizierung voranzubringen. Ulrich Theurers Aufsatz über die Amtszeit des Oberbürgermeisters Emil Hayer (1948 bis 1954) knüpft zeitlich direkt an Günther Zollmanns Beitrag an und schildert detailliert den kommunalpolitischen Alltag in dieser Zeit. Er beschreibt die schwierigen materiellen und politischen Probleme der Nachkriegszeit und deren Lösung, aber auch die durchaus erfolgreichen Bemühungen um Normalisierung.

Daneben erhält der neue Band der Heimatblätter auch spannende Beiträge zur Geschichte der Frühen Neuzeit. Dr. Mathias Ohm und Frederic Menke analysieren einen Münzfund in Oberurbach, bei dem schon 1930, ziemlich genau 300 Jahre nachdem sie vergraben und versteckt worden sind, 316 Münzen zu Tage gefördert wurden. Neben vielen interessanten Details zeigt die Analyse insbesondere, dass die Münzen fast aus ganz Europa stammen, die wenigsten dabei aus dem südwestdeutschen Raum - ein deutliches Zeichen dafür, wie weit vernetzt die europäischen Wirtschaftsbeziehungen zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges waren. Veronika Härle-Grupp berichtet in ihrem Beitrag über den Waldbesitz der Stadt Schorndorf. Sie macht deutlich, wie wichtig der Wald für die Stadt und ihre Bürger war, aber auch wie schwierig es war, städtische Interessen und landesherrschaftliche Ansprüche auszugleichen.

Wie es Tradition ist, befindet sich die Laudatio für die Preisträgerin des Barbara-Künkelin-Preises in den Heimatblättern. Sie wurde von Monika Barz auf Sabine Constabel gehalten, die 2018 für ihr Engagement für Frauen geehrt wurde, die als Prostituierte ihr Leben und Überleben bestreiten. Die Heimatblätter beschließen Nachrufe auf Günther Zollmann und Günter Mann, die beide 2018 verstorben sind. Beide haben sich in vielfältiger Weise für Schorndorf engagiert und als langjährige wissenschaftliche Beisitzer des Vorstandes des Heimatvereins Wesentliches zur Erinnerungskultur in dieser Stadt beigetragen. Günther Zollmann hatte noch kurz vor seinem Tode seinen Beitrag für die Heimatblätter fertiggestellt.

Auch Band 31 zeigt eindrücklich die große Bedeutung der Heimatblätter für die Geschichtskultur der Stadt Schorndorf, einerseits für die Menschen in Schorndorf selbst, andererseits aber auch für alle an der Geschichte Interessierten jenseits der Stadtgrenzen. In diesem Sinne gilt es, all jenen zu danken, die durch ihre Mitarbeit die Herausgabe des Bandes möglich gemacht haben.