Volltextsuche auf: https://www.schorndorf.de
Volltextsuche auf: https://www.schorndorf.de
Das Suchfenster kann über die Taste "ESC" geschlossen werden.
Blick über Schorndorf

Stadtnachricht

Mit dem Förster durch den Eichenbach


Förster Julian Schmitt führte durch den Wald

In einer zweistündigen Waldführung durch den Eichenbach erklärte Forstrevierleiter Julian Schmitt die Hintergründe des für die Holzerntesaison 2021/2022 geplanten Hiebs im Bereich des Sportpfads. „Mir ist es wichtig, die Bürgerinnen und Bürger mitzunehmen und zu sensibilisieren“, sagt Julian Schmitt. Deshalb hat die Stadtverwaltung insgesamt neun sogenannte Waldfenster mit Informationstafeln im Eichenbach aufgestellt. Die Waldfenster lenken den Blick des Waldbesuchers auf einen speziellen Ausschnitt des Waldes. Die daran angebrachten Infotafeln erklären die Hintergründe der geplanten Maßnahmen. Scannt man einen QR-Code, so gelangt man zu einem kurzen Video, in welchem der Forstrevierleiter die jeweilige Maßnahme erläutert.

Zwei Hirschkäfermeiler und eine neue Brücke sind entstanden

In Zusammenarbeit von Stadtwald und Zentralen Diensten Schorndorf wurde im FFH-Gebiet Schurwald (Schutzgebiet) zwei Hirschkäfermeiler errichtet. Der Hirschkäfer steht auf der sogenannten „Roten Liste“ gefährdeter Tierarten. Er ist bekannt für sein markantes Geweih und ist hauptsächlich im Holz toter Eichen, seltener auch im Holz toter Apfelbäume zu finden. Die Errichtung von Hirschkäfermeilern gilt als wirksame Sofortmaßnahme, um dem Hirschkäfer ein Zuhause zu bieten und hilft somit die Biodiversität des Waldes zu wahren. Zum Schutz der Käfer vor Fressfeinden, beispielsweise dem Wildschwein, wurden zwei Zäune um die Meiler errichtet. Das verwendete Holz ist ausschließlich im Rahmen von Verkehrssicherungsarbeiten angefallen oder wäre stattdessen als Brennholz genutzt worden.
Eine freitragende Brücke wurde von den Zentralen Diensten Schorndorf über die alte Steinbogenbrücke aus Sandstein gebaut, da diese altersbedingt nicht mehr sicher war. Das Holz für den Bau der Brücke stammt aus dem Stadtwald. Eine Sanierung der Brücke kam nicht in Frage, da in den Zwischenräumen der Brücke viele Tiere ein Zuhause gefunden haben. Vier verschiedene Fledermausarten haben sich in diesem Biotop angesiedelt. Die neue Holzbrücke soll den Sportpfad ergänzen und gleichzeitig unter ihrem Dach Fledermäusen ein Quartier bieten.

Inventur im Stadtwald

Im kommenden Jahr wird eine „Inventur“ im Stadtwald durchgeführt. Hierfür misst die Landesforstverwaltung beispielsweise den Totholzanteil und den Verjüngungszustand. Für die nächsten zehn Jahre wird dann ein Bewirtschaftungsplan unter Berücksichtigung einer naturnahen Waldbewirtschaftung und unter Berücksichtigung der aktuellen Klimaprognosen sowie zur Wahrung der Biodiversität erstellt.
Aktuell ist die Buche die dominierende Baumart im 627 Hektar großen Stadtwald, da sie hier optimale Lebensbedingungen vorfindet und andere Baumarten sehr schnell verdrängt. Langfristiges Ziel sei es eine höhere Artenvielfalt in die Waldbestände zu bekommen und somit die Widerstandsfähigkeit des Waldes zu erhöhen, so Julian Schmitt. Die Douglasie als Fremdlandart kommt im Stadtwald nur im einstelligen Prozentbereich vor. Diese Baumart wächst im Verhältnis zu unseren heimischen Baumarten sehr schnell. Ihr Holz wird für den Innen- und Außenbereich eingesetzt und kam auch beim Bau der Brücke am Sportpfad zum Einsatz. Diese Erntesaison sollen insgesamt 40 hiebsreife Douglasien gefällt werden.

Waldbegang SchorndorfVerjüngung des Waldes

Die Holzernte trägt dazu bei, die Waldverjüngung anzuregen. Verjüngen sich Douglasien auf natürliche Weise, werden schützende Maßnahmen ergriffen: Da die jungen Bäume mehr Licht benötigen, werden umliegende alte Fichten gefällt. So entsteht ein „Wohlfühlklima“ für die jungen Douglasien und diese Zukunftsbäume können später eine größere Krone bilden. Künstlich verjüngt wird der Wald im Frühjahr 2022 durch die Pflanzung von rund 200 Esskastanien in einer Waldlücke, die ein Sturm verursacht hat. Die Esskastanien werden im Abstand von drei mal drei Metern gepflanzt. Als Schutz werden Hüllen um die einzelnen Bäume gezogen und durch regelmäßiges „Mähen“ mit der Motorsense wird der Nachwuchs beispielsweise frei von Brombeersträuchern gehalten. Bevor die Setzlinge gepflanzt werden können, müssen die durch Stürme und Borkenkäfer geschädigten Fichten auf einer Fläche von etwa 2000 Quadratmetern entnommen werden. Im übrigen Bestand werden zur Verjüngung nach der Durchforstung Tannen angepflanzt. Ziel der künstlichen Verjüngung ist es, einen sanften und langfristigen Übergang zu klimatoleranten Mischwäldern zu schaffen.
Eine historische Form der Waldnutzung stellt der Mittelwald dar. In diesem Waldstück werden Buchen entnommen, um so alte Eichen zu erhalten und zu fördern.

Den Naturschutz stets im Blick

„In der Bevölkerung hat in den vergangenen Jahren ein Umdenken stattgefunden“, erläutert Julian Schmitt. Die Bürgerinnen und Bürger seien aufgrund des Klimawandels für das Thema Wald sensibler geworden. Teilweise entstünde der Eindruck, dass mehr Bäume gefällt werden, als noch vor einigen Jahren. Dass mehr gefällt wird, bekräftigt der Förster, sei nicht der Fall. „Wir müssen den Naturschutz immer im Blick behalten und können nicht einfach wirtschaften wie wir wollen“, betont er. Die Wälder seien zertifiziert und es gäbe Kontrollen, ob die vorgegebenen Standards eingehalten werden. Bäume, die beispielsweise durch Sturmschäden oder Käferbefall nicht mehr verkehrssicher sind, müssen gefällt werden. Der Verkauf dieser Bäume trägt dann zur Finanzierung der Waldpflege und von Naturschutzmaßnahmen bei.

Baummarkierungen und ihre Bedeutung

Jeder kennt sie: Die bunten Markierungen auf den Bäumen. Doch was bedeuten sie eigentlich? Ist auf einem Baum mit einem roten Schrägstrich gekennzeichnet, so wird er gefällt. Steht eine Zahl auf dem Baum, handelt es sich um hochwertiges, fehlerfreies Holz, welches bei einer Submission versteigert wird und beispielsweise für Böden und Möbel genutzt oder in Klanginstrumenten verbaut wird. Damit der jeweilige Baum schnell wiedergefunden werden kann, wird er mittels GPS erfasst und der genaue Standort kartiert. Durch äußere Merkmale, zum Beispiel sogenannte „Chinesenbärte“ an Buchen kann auf das Bauminnere und somit auf die Qualität des Holzes geschlossen werden. Zwei horizontale, gelbe Linien kennzeichnen die „Rückegassen“. Die Holzfäller wissen durch diese Markierung, welche Wege sie nutzen dürfen um das gefällte Holz abzutransportieren. Die gelben Wellenlinien an den Bäumen markieren Habitatbäume oder ganze Habitatbaumgruppen. Das sind Einzelbäume oder Baumgruppen, die durch Besonderheiten (Großhöhlen, Spalten, Horst, Alter) Tieren und Pflanzen einen Lebensraum bieten und nicht gefällt werden. Auch diese Baumgruppen sind mittels GPS erfasst und können so immer wieder aufgefunden werden. Aktuell wurde mit den Hiebmaßnahmen noch nicht begonnen, da der Boden zu nass für die Geräte ist. Voraussichtlicher Beginn ist Mitte Oktober bei Schornbach, je nach Witterung danach im Eichenbach.

Direkt nach oben