Blick über Schorndorf

Stadtnachricht

Schule als Ort des Ankommens und der Integration


Stellvertretend für das große Engagement aus der Stadtgesellschaft: Vertreterinnen des Kinderschutzbundes und der Sozialintegrative Alltagsbegleitung e.V. überreichten der neugestarteten VKL-Klasse am MPG Starterkits für den Unterricht.

Vor zwei Wochen ist eine neue Vorbereitungsklasse (VKL) am Max-Planck-Gymnasium durchgestartet. Seit Montag gibt es eine solche Klasse auch an der Fuchshofschule. Damit wurde das Schulangebot an internationalen Sprachvorbereitungsklassen der Künkelinschule, der Schlosswallschule, der Gemeinschaftsschule Rainbrunnen und der Gottlieb-Daimler-Realschule um weitere dringend benötigte Plätze erweitert.
Darüber hinaus bieten die beruflichen Schulen, also die Grafenbergschule und die Johann-Philipp-Palm-Schule, sogenannte VABO und AV-DUAL Klassen an, das heißt Vorqualifizierungsjahre Arbeit und Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen.

Fokus Sprachförderung

Vom Ausbau der Vorbereitungsklassen profitieren nicht nur die geflüchteten Kinder aus der Ukraine, sondern alle Kinder und Jugendlichen mit nichtdeutscher Herkunftssprache und geringen Deutschkenntnissen. Der Fokus in diesen Klassen liegt auf der Sprachförderung. Im besten Fall können schon einzelne Unterrichtsstunden wie Mathematik oder Sport in einer Regelklasse besucht werden.
Die bereits vor Kriegsbeginn in der Ukraine bestehenden Vorbereitungsklassen in Schorndorf waren schon gut besucht und gefüllt. Nun sind seit März rund 60 ukrainische Schulkinder in Schorndorf angekommen. Viele dieser Schülerinnen und Schüler werden parallel noch digital unterrichtet. Dennoch ist die Nachfrage nach Plätzen an den Schorndorfer Schulen und der Wunsch nach einem möglichst „normalen“ Schulalltag groß.
Allein 57 Kinder und Jugendliche ukrainischer und anderer Nationalitäten konnten seit März dieses Jahres zusätzlich an den Schorndorfer und den beiden Kreisberufsschulen aufgenommen werden. 30 Schülerinnen und Schüler warten noch auf ihre Aufnahme. Täglich kommen neue Bedarfe bei den Schulleitungen und der Stadtverwaltung auf. Es ist ein wahrer Kraftakt für die Schulleitungen mit den vorhandenen Lehrerressourcen, bei hohen Krankenständen, nach zwei anstrengenden Corona-Jahren und während der aktuellen Prüfungszeiten zusätzliche Angebote für geflüchtete Kinder zu schaffen. Dennoch ist es durch das große Engagement der Schulleitungen und Lehrkräfte gelungen, vorhandene Angebote aufzustocken oder gar neue Klassen zu bilden.

Schule als wichtige Anlaufstelle

Große Herausforderungen in den Vorbereitungsklassen stellen die unterschiedlichen Sprach- und Lernniveaus der Schülerinnen und Schüler, die Altersdurchmischung, aber auch eine hohe Fluktuation dar. Die Schülerschaft in einer Vorbereitungsklasse ist sehr heterogen, so kommen hier durchaus auch Analphabeten oder Kinder an, die in ihrer Heimat noch nie eine Schule besucht haben. Auch die Verständigung mit den Kindern ist eine große Hürde. In der Not werden auch Zeichensprache oder der Google-Übersetzer herangezogen. „Es dauert einige Wochen, bis sich die Kinder in der Klasse und im Ganztag ‚zuhause’ fühlen und erste Sätze sprechen. Manche Kinder trauen sich aber auch monatelang nicht zu sprechen“, so die Erfahrung von Nicole Klingmann, Schulleiterin der Schlosswallschule.
Die Lehrkräfte sind mit den unterschiedlichsten Ängsten der Schülerinnen und Schüler konfrontiert. Jede und jeder trägt sein persönliches Sorgenpaket mit sich: „Man merkt den Kindern die problematische Situation an, auch wenn sie ihre Sorgen oft gar nicht richtig mitteilen können. Einige Väter mussten in der Ukraine bleiben. Andere Kinder haben Schulangst“, so die Erfahrung von Maren Thomä, stellvertretende Schulleiterin und Klassenlehrerin in einer Vorbereitungsklasse an der Künkelinschule. Silke Paynter, Lehrerin der Vorbereitungsklasse am Max-Planck-Gymnasium, stellt fest, dass die Ablenkung, die die Schülerinnen und Schüler hier an der Schule erfahren, den Kindern sehr gut tue. „Sie scheinen während des Unterrichts fröhlich zu sein, wenngleich niemand zu sagen vermag, was in ihren Köpfen und Herzen vor sich geht“.
„Glückliche Kinder zu sehen, die sich über ihre Erfolgserlebnisse freuen können“, das sind die schönsten Momente für alle an den Vorbereitungsklassen Beteiligten, weiß auch Karola Gross, Schulleiterin der Gemeinschaftsschule Rainbrunnen. „Ein ganz besonderes Erlebnis ist es, wenn man Schülerinnen und Schüler in Vorbereitungsklassen begleitet und sie sich nach einigen Jahren für die Begleitung, den Unterricht und die Unterstützung bedanken, einen Abschluss geschafft und einen Ausbildungsplatz bekommen haben“, schildert GDRS-Lehrerin Malgorzata Beda-Staab ihre persönlichen Erfolgserlebnisse. Die Schulen sind nicht nur eine wichtige Anlaufstelle für die Kinder. Durch Elterncafés mit Dolmetschern können sich auch die geflüchteten Eltern untereinander vernetzen.

Engagement der Stadtgesellschaft

Über die große Hilfs- und Spendenbereitschaft der Schorndorfer Elternschaft, der Vereine und Organisationen sind die Schulen besonders dankbar. So konnten schon die ersten dringend benötigten Schulmaterialien aber auch Schulranzen und Sportschuhe bereitgestellt werden. Unterstützung bekommen die Schulen beispielsweise auch durch das WIR-Projekt des Kinderschutzbundes Schorndorf. So auch Carolin Thielemann, Schulleiterin der Sommerrainschule, die über den Kinderschutzbund Unterstützung durch eine russisch sprechende Mitarbeiterin erfährt. In Schornbach gibt es noch keine Vorbereitungsklasse. Die fünf geflüchteten Kinder in Schornbach werden in den Regelklassen beschult. Beeindruckend sei, wie schnell die Kinder Deutsch lernen und sich gut integrieren. „Auch einzelne Schüler, die Russisch sprechen und immer wieder für Übersetzungen einspringen, wachsen über sich hinaus. Das ist für mich gelebte Völkerverständigung“, so Thielemann über ihre Erfahrungen an der Sommerrainschule in Schornbach.

Direkt nach oben