Ich bin Anna, 33 Jahre alt, und alleinerziehende Mutter. Leo ist 5 Jahre alt und Nora gerade 2 Jahre alt geworden. Wir leben in einem großen Mehrfamilienhaus in der Nordstadt, ein Glücksfall, denn Wohnungen sind schwer zu finden. Ich habe das alleinige Sorgerecht, aber der Kindsvater leistet nur sehr geringe finanzielle Unterstützung. Ich arbeite halbtags, damit ich nachmittags für die Kinder da sein kann. Das Geld reicht oft nur knapp, aber wir kommen durch. Ein eigenes Auto kann ich mir nicht leisten, deshalb verbringe ich die meiste Zeit mit der Arbeit und der Betreuung der beiden Kleinen zu Hause. Abends bin ich oft einfach nur erschöpft.
Was kaum jemand sieht: Wie einsam dieser Alltag sein kann. Es fängt damit an, dass mir oft die Kraft fehlt, über die nötigsten Dinge hinaus Kontakte zu pflegen. Wenn ich von der Arbeit komme, sind Leo und Nora dran. Einkaufen, kochen, Hausaufgaben, vorlesen, ins Bett bringen. Danach ist der Tag vorbei – und ich bin einfach nur müde.
Früher hatte ich Freundinnen, mit denen ich mal ins Kino gegangen bin oder einfach telefoniert habe. Heute sagen sie: „Melde dich mal wieder.“ Aber ich weiß nicht wann. Und manchmal schäme ich mich sogar ein bisschen – für mein kleines Zuhause, für meine Erschöpfung, dafür, dass ich nicht mehr die bin, die ich mal war.
In unserer Straße kennt man sich kaum. Es gibt keine Begegnungspunkte, keine Gelegenheiten, andere Eltern kennenzulernen. Abends allein in der Küche zu sitzen, wenn das Kind schläft, das ist der Moment, in dem mich die Einsamkeit besonders trifft.
„Ich wünsche mir, dass meine Situation nicht als individuelles Versagen gesehen wird – sondern als Teil eines größeren Problems.“
„Was helfen würde? Gemeinschaft. Orte, an denen man sich begegnen kann – niedrigschwellig, unkompliziert, offen. Wo ich nicht erklären muss, warum ich müde bin oder wieso ich mir den Babysitter nicht leisten kann. Es braucht mehr Unterstützung für Alleinerziehende – nicht nur finanziell, sondern auch sozial. Ich wünsche mir ein Umfeld, das versteht, dass es allein nicht geht. Dass Care-Arbeit, Erziehung, Alltag unter schwierigen Bedingungen nicht nur privat bewältigt werden muss. Wenn wir anfangen, uns gegenseitig zu sehen, ist das schon ein erster Schritt gegen die Einsamkeit.“