Ich heiße Lotte und bin 80 Jahre alt. Seit mein Mann gestorben ist, lebe ich allein. Fast sechzig Jahre waren wir ein Team – und jetzt ist es still in unserer Wohnung. Ich wohne im dritten Stock eines alten Hauses, ohne Fahrstuhl. Die Treppen schaffe ich nur noch mühsam, und weil ich Angst habe zu stürzen, bleibe ich meistens drinnen.
Früher bin ich gern unter Menschen gegangen, habe viel unternommen. Ich sang im Chor und mein Mann und ich liebten die Ausfahrten vom Kegelclub. Heute fällt es mir schwer, Kontakte zu halten. Viele meiner alten Freunde leben nicht mehr oder sind selbst kaum noch mobil. Wir telefonieren manchmal, aber das ist nicht dasselbe. Ich habe gehört, dass es Treffpunkte für Senioren in der Nähe gibt, aber ich weiß nicht, wann oder wo. Und irgendwie fragt man auch nicht gern ständig nach – ich will ja nicht zur Last fallen.
Meine Kinder wohnen weit weg. Ich sehe sie selten, höre ihre Stimmen meist nur übers Handy. Mein Enkel hat mir mal ein Tablet eingerichtet, aber ich traue mich kaum, es zu benutzen. Ich habe Angst, etwas falsch zu machen oder aus Versehen etwas zu löschen. So bleibt vieles einfach ungenutzt, obwohl ich es eigentlich gern lernen würde. Manchmal denke ich: Die Welt hat sich weitergedreht, nur ich bin irgendwie stehen geblieben.
„Was mir fehlt, ist ein Ort, an dem ich sein kann, wie ich bin – ohne Hürden, ohne Angst, etwas nicht zu verstehen.“
„Ich wünsche mir, dass das Alter kein Ausschlusskriterium für Teilhabe ist. Barrierefreie Wohnräume und erreichbare Treffpunkte wären ein Anfang. Noch wichtiger ist aber, dass Informationen dort ankommen, wo Menschen wie ich sie auch verstehen und finden können – vielleicht per Post oder durch Hausbesuche. Wenn jemand käme, um mir in Ruhe die Technik zu erklären, ohne Zeitdruck, dann könnte ich wieder mitreden. Einsamkeit darf kein Normalzustand im Alter sein – es sollte ganz selbstverständlich sein, dass man dazugehört.“