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Stadtnachricht

Sieben entscheidende Minuten


Sie wollten ihren Trip nach Nepal mit einer guten Tat verbinden: Robin Bellmann aus Haubersbronn und Tim Schneider aus Plüderhausen haben ihre Überstunden, die sie als Mitarbeiter des Oskar Frech SeeBades angesammelt hatten, für ein Kinderheim in Nepal gespendet  und mit ihnen einige weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Mehr als 6.500 Euro sind so zusammengekommen.

Die gute Tat ist also gelungen. Der Trip nach Nepal endete bereits in Istanbul. Zum Glück, wie man wohl sagen muss. Denn hätten die beiden ihren Anschlussflug in Istanbul nicht um gerade einmal sieben Minuten verpasst, wären sie am 25. April genau zu der Zeit, als sich das verheerende Erdbeben in Nepal ereignete, in Kathmandu gewesen, um dort die beiden Kinderhäuser, die Ellen Dietrich als Vorsitzende des Vereins "Haus der Hoffnung Hilfe für Nepal" betreibt, zu besuchen.

Die beiden Freunde Robin Bellmann und Tim Schneider (v.l)

Eine Nacht im Hotel

Schon in Stuttgart war der Flug mehr als eine Stunde verspätet gestartet. Als es dann am 24. April in Istanbul nicht weiterging, war die Enttäuschung zunächst groß. "Die sieben Minuten, die wir für den Anschlussflug nach Kathmandu zu spät am Check-in waren, haben unseren ganzen Plan durcheinander gebracht", erzählt Tim Schneider. Nach einer Nacht im Hotel sollten sie dann abends am 25. April weiter nach Nepal fliegen. "Morgens haben wir dann schon eine SMS bekommen mit der Nachricht, dass es ein Erdbeben gegeben hat", erzählt Robin Bellmann. Das ganze Ausmaß sei ihnen da aber noch nicht klar gewesen und sie nutzten die Gelegenheit, sich Istanbul anzuschauen.

Am Nachmittag zurück im Hotel und bei stehender Wlan-Verbindung wurden sie dann mit Nachrichten überschüttet: "Lebt ihr noch, meldet euch", fragten Familie und Freunde voller Sorge. "Wir haben uns erstmal geschockt angeschwiegen und uns wurde bewusst, dass wir eigentlich auf dem Weg ins Waisenhaus gewesen wären und wir das Erdbeben voll miterlebt hätten", erinnert sich Robin Bellmann. "Und natürlich haben wir uns schon dort und bis heute oft die Frage gestellt, was gewesen wäre, wenn", sagt Tim Schneider. "Einerseits haben wir riesiges Glück gehabt, andererseits hätten wir vielleicht helfen können", beschreibt der 21-Jährige die Gefühlslage der beiden Freunde.

Hinzu kam die Sorge um die Kinder in den beiden Waisenhäusern und die anderen Teilnehmer der gebuchten Gruppenreise, auf die Robin Bellmann und Tim Schneider in Kathmandu hätten stoßen sollen. "Sie haben dann aber ziemlich bald Nachrichten geschickt, dass es allen gut geht", erzählt Tim Schneider. Dass auch die mehr als 80 Kinder in den Waisenhäusern überlebt hatten, sie jetzt allerdings in einem Haus zusammen wohnen müssen, erfuhren die beiden Freunde erst, als sie zurück in Deutschland waren. Der Rückflug von Istanbul nach Stuttgart, der für den 25. April angesetzt war, hatte im Übrigen wieder Verspätung: zehn Stunden.

Nächste Reise

Für das kommende Jahr haben Robin Bellmann und Tim Schneider wieder eine Reise vor, die sie mit einer Spendenaktion verbinden wollen. Dann soll es gemeinsam nach Afrika gehen. Und Nepal wollen sie irgendwann einmal nachholen. "Wir haben mit der Geschichte noch nicht abgeschlossen", sagen sie unisono.

Weitere Informationen zum Verein "Haus der Hoffnung Hilfe für Nepal" gibt es im Internet unter www.hausderhoffnung-nepal.de. Wer spenden möchte, kann dies bei der Kreissparkasse Ostalb tun, IBAN: DE44 6145 0050 1000 0511 51, BIC: OASPDE6A.


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