Streuobstwiesen in Schorndorf

Neben den Weinbergen sind Streuobstwiesen ein markanter Landschaftsbestandteil der Schorndorfer Gemarkung. Sie machen den besonderen Charakter unserer Heimat aus und bieten einzigartigen Erholungsraum. Insbesondere im Frühjahr, wenn Millionen weiße und rosa Blüten über saftig grünem Gras zu bestaunen sind, ist der hohe Wert der Streuobstwiesen für das Landschaftsbild offensichtlich. Aber auch im Herbst, wenn Obst mit unterschiedlichsten Farben und Gerüchen auf sich aufmerksam macht, laden die Streuobstwiesen zum Erholen ein.

Gleichzeitig sind diese Wiesen eine wichtige Oase und Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere.

Streuobstwiesenbörse

Streuobstwiesen sind mittlerweile ökonomisch uninteressant und die Pflege ist insbesondere für viele ältere Eigentümer nicht mehr möglich. Der Bestand der Streuobstwiesen geht stetig zurück. Der Pflegezustand verschlechtert sich und die Streuobstwiesen verkommen mehr und mehr. Ohne die Pflege durch den Mensch können sie nicht existieren.

Es gibt  jedoch auch immer wieder Menschen, die in der Natur einen Ausgleich zum Alltag suchen und einen Bereich für den Rückzug von Trubel und Hektik.

Damit sich Interessenten und Anbieter leichter finden, hat der Landkreis eine Streuobstwiesen-Börse aufbgebaut. So werden Eigentümer von Streuobstwiesen, die ihre Stückle nicht mehr pflegen können oder wollen, mit Menschen zusammen gebracht, die Interesse haben, eine Obstbaumwiese zu pflegen, aber selbst keine besitzen.

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Weitere Informationen

In historischen Zeiten wurden in Mitteleuropa Wildobstarten genutzt. Erst die Römer verbreiteten die Kulturformen der Apfelbäume, Birnbäume, Zwetschgen und Süßkirschen, aber auch der Walnuss und Edelkastanie in Mitteleuropa, wo sie zunächst nur in klimatisch begünstigten Gebieten gedeihen konnten. Die Züchtung robusterer und weniger anspruchsvoller Sorten wurde von den mittelalterlichen Klöstern betrieben. Das Obst wuchs in den „Obstgärten“, während in der freien Landschaft der Weinbau landschaftsprägender war. Alte Gewannnamen wie „Rebberg“ (Haubersbronn) zeugen heute davon. Im 18. Jahrhundert verbreitete sich der Obstbau mehr und mehr in der freien Landschaft. Es wurden Obstbaumalleen an Landstraßen angelegt sowie Hausgärten, Allmende und ausgedehnte Wiesen mit verschiedenen Obstsorten bepflanzt.

Der Befall der Weinberge durch den Falschen Mehltau und die Reblaus im 19. Jahrhundert führte zu einer Ausdehnung der Obstbaugebiete. Alte Trockenmauern in den Streuobsthängen sind Zeugen ehemaliger Weinberglagen. Seine größte Ausdehnung hatte der Streuobstbau kurz nach dem zweiten Weltkrieg.

Doch durch Intensivierung der Landwirtschaft, zunehmende Industrialisierung, Flächenverbrauch durch Bau von Straßen, Gewerbe- und Wohngebiete verschwanden die großen Streuobstflächen. Von 1957 bis 1974 wurde die Rodung unwirtschaftlicher Altbestände sogar durch den Generalobstbauplan staatlich gefördert.

Heute gehören Streuobstwiesen zu den am stärksten gefährdeten Biotopen Mitteleuropas. Größere, landschaftsprägende Streuobstwiesen finden sich heute noch in Österreich, in Süddeutschland, am Nordhang des Kyffhäusergebirges und in der Schweiz. Die ausgedehntesten Bestände finden sich am Fuß der Schwäbischen Alb, sie wurden als großes IBA Gebiet (International Bird Area) international unter Schutz gestellt.
Hochstämmige Obstbäume mit artenreichem Unterwuchs bieten eine Vielzahl verschiedener Kleinbiotope. Neben Insekten und anderen Kleinlebewesen kann man seltene Vogelarten beobachten wie: Grauspecht, Halsbandschnäpper, Mittelspecht, Neuntöter, Wasserralle, Wendehals, Zwergtaucher, Feldlerche, Feldschwirl, Fitis, Gartenrotschwanz, Grauschnäpper, Grünspecht, Kleinspecht, Rohrammer, Teichhuhn, Teichrohrsänger.

Diese Tiere sind auf die großflächig zusammenhängenden Baumwiesen als Nahrungs- und Brutrevier, aber auch als Raststätte für durchreisende Zugvögel angewiesen. Größere Astlöcher oder Baumhöhlen sind für Fledermausarten besonders wichtig geworden, da die heutigen modernen Häuser kaum noch Unterschlupf bieten können. Auch Pflanzen, die in intensiv genutzten Bereichen verschwunden sind, finden in Streuobstwiesen Lebensraum.

Weitere Funktionen der Streuobstwiesen im Naturhaushalt sind der Biotopverbund, Bodenschutz, Wasserschutz, Klimaschutz.

Schorndorfer Apfelsaft

Schorndorfer ApfelsaftDer Erhalt und die Nutzung von immer weniger bekannten Apfelsorten ist auch ein Anliegen der Lokalen Agenda Schorndorf.

Seit 2012 gibt es die Projektgruppe "Schorndorfer Apfelsaft", die sich alljährlich mit vielen Helfern des Obst- und Gartenbauvereins, mit Asyl suchenden Personen und Kindergartengruppen ans Äpfelauflesen macht für den "Schorndorfer Apfelsaft". Mit viel Begeisterung unterstützen auch Schüler der Schorndorfer Schulen die Apfelernte von städtischen Streuobstwiesen.

Die Firma Ricker, bewährter Kooperationspartner, verarbeitet die Äpfel zum köstlichen Schorndorfer Apfelsaft. Der Verkauf des Apfelsaftes erfolgt nicht nur über die Firma Ricker Fruchtsäfte, Kellerwiesen 19, 73614 Schorndorf, sondern auch über den Schorndorfer Weltladen el mundo und den Marktkauf Schorndorf.

Der Erlös aus dem Apfelsaftprojekt wird für Erhalt und Pflege der Streuobstwiesen sowie für soziale Projekte der Stadt Schorndorf, insbesondere für Sprachförderung von Asylbewerbern, verwendet.

Lokale Agenda 21