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Blick über Schorndorf

Stadtnachricht

Alkohol in öffentlichen Grünanlagen


"Alkohol ist dein Sanitäter in der Not. Alkohol ist dein Fallschirm und dein Rettungsboot", sang Herbert Grönemeyer in seinem Song "Alkohol" im Jahre 1984. Grönemeyer war einer der ersten Sänger, der die Alkoholproblematik schon damals, wenn auch etwas "ironisch verklärt", an den Pranger stellte. Das Alkoholproblem hatte aber da noch nicht die Formen wie heute angenommen. Inzwischen ist das "Koma-Saufen" von Jugendlichen auch in Schorndorf längst an der Tagesordnung.

Immer wieder werden von der Polizei in den Schlosswallgütern oder am Parksee Jugendliche aufgefunden, die entweder zum Magenauspumpen im Krankenhaus oder zur Ausnüchterung in der Zelle des Schorndorfer Polizeireviers landen. Auch die Nichtsesshaften halten in diesen Bereichen ihre Saufgelage ab.

Mit der Problematik "Alkohol in öffentlichen Grünanlagen" hat sich der Verwaltungs- und Sozialausschuss des Gemeinderats in seiner letzten Sitzung befasst.

Eingangs erläuterte EBM Horst Reingruber dem Gremium, dass sich aufgrund der momentanen Rechtsgrundlage kaum Möglichkeiten bieten würden, um dem Alkoholkonsum auf öffentlichen Plätzen Herr zu werden. "Die immer wieder in der Öffentlichkeit anklingenden Äußerungen, dass die Stadt in puncto Alkoholproblematik was machen könne, wenn sie nur wirklich wolle, entbehrt jeglicher Realität. Auch, wenn wir gerne würden, können wir aber fast gar nichts machen," erklärte Reingruber unmissverständlich in der Sitzung.

Ändern könne sich erst etwas, wenn sich das Land dazu durchringe, das Polizeigesetz so zu ändern, dass eine neue gesetzliche Grundlage für die kommunale Seite und die Polizei geschaffen werde.

SPD-Stadtrat Thomas Berger, selbst Polizeibeamter, erklärte, dass seiner Ansicht nach bei diesem gesamtgesellschaftlichen Problem auch nach außergerichtlichen Lösungen gesucht werden müsse. Bei der Problematik seien auch die Gewerbetreibenden, die den Alkohol verkaufen, in der Pflicht. Er fordere deshalb die Wiederbelebung des kommunalen Kriminalpräventionsrates mit der Maßgabe, dass alle, die mit diesem Thema befasst sind, an einen runden Tisch geholt werden.

Im Hinblick darauf, dass in der dunkleren und kälteren Jahreszeit die Alkohol-Exzesse in öffentlichen Grünanlagen weniger würden, entgegnete Reingruber, könne er mit dem von Stadtrat Berger geforderten Vorgehen einverstanden sein. Er sei aber, zugegebenermaßen, was den Erfolg dieser Vorgehensweise anbetreffe, nur gedämpft optimistisch.

CDU-Stadtrat Dr. Max Klinger schlug vor, die Prävention bei Jugendlichen dadurch zu verstärken, dass die konkreten Problemfälle namentlich an die Schulen weitergemeldet werden. Daraufhin bekam er von allen Seiten im Gremium Widerspruch.

Anna-Maria Zouhar, die als Vertreterin des Jugendgemeinderats an der Sitzung teilnahm, stellte fest: "Das Privatleben der Schüler geht die Schule nichts an".

SPD-Stadträtin Silke Olbrich, von Beruf Lehrerin, machte sich dafür stark, mit Suchtprophylaxe-Veranstaltungen die Schüler entsprechend aufzuklären.

Natürlich seien die Eltern die Ansprechpartner Nummer eins, pflichtete Reingruber ihr bei. Bisher hätten aber die "blauen Briefe", die man den Eltern der Schüler schicke, die im Krankenhaus landen würden, keinen großen Erfolg bewirkt. Es sei keine einzige Antwort seitens der betroffenen Eltern eingegangen. Man müsse schon froh sein, ergänzte EBM Reingruber, wenn diese Elternpaare ihre Zöglinge überhaupt abholen würden.

Am Schluß der Diskussion war man sich einig, dass der von Stadtrat Berger vorgeschlagene runde Tisch ein gerichtet wird, um in der nächsten Sommersaison eine Verbesserung der Situation zu erreichen. Allerdings müsse man für den runden Tisch konkrete Zielvereinbarungen- und vorstellungen festlegen. Reingruber sagte außerdem zu, dass die Polizei weiter starke Präsenz in den betroffenen Bereichen zeigen werde.

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